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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-02-03 · 5 (3.2.1899) · p. Seite 80

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
Seite 80 (sequence 16)
Language
German
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Seite 80. Israelitische Wochenschrift. Nr. 5. mehrere andere Gouverneure die Absicht gehabt haben, sich dem Vorgehen ihres Kollegen von Wladimar anzuschließen. St. Petersburg, 20. Januar- (Stiftung der Baronin Hirsch.) In den kleinen Städtchen Dubrovno und Orscha im Gouvernement Mohilew hat der größte Teil der sehr armen Juden sich schon seit längerer Zeit durch die Fabrikation von Gebetmänteln kümmerlich ernährt. Der Verdienst war nur sehr gering, weil die armen Handwerker das Rohmaterial nicht ganz bar einkausen konnten, es also theurer bezahlen mußten, und weil sie die fertige Ware auch nicht direkt, sondern nur durch Zwischenhändler abzusetzen imstande waren. Dieser traurigen Lage wird jetzt durch eine neue große Wohlthat der Baronin Hirsch abgeholfen werden. Die großherzige Frau giebt die Mittel her zur Errichtung einer von technisch geschulten Meistern zu leitenden Fabrik, in der die Arbeiter nach den neuesten Methoden zu arbeiten unterwiesen werden und ihnen die besten Maschinen zur Verfügung gestellt werden sollen. In einer Verkaufshalle soll das Rohmaterial zu den möglichst niedrigen Preisen den Arbeitern abgegeben und gleichzeitig der Verkauf der fertigen Waren an die direkten Abnehmer gehandhabt werden, so daß der Arbeiter von dem vollen Preis seiner Arbeit nur eine kleine Kommissionsgebühr abzugeben hat. Aus den Wunsch der Baronin Hirsch hat Herr Lazare Poliakoff in Moskau sich bereit erklärt, die Oberaufsicht über das Unternehmen zu führen und hat bereits seinen Agenten Herrn Emden an Ort und Stelle geschickt, um die Arbeiten für das zu errichtende Etablissement in Angriff zu nehmen. Personalnachrichten und klein eMitteilun gen. DieJacob Israel-Stiftung, Pensionskasse für die Angestellten der Firma N.JsraelzuBerlin, sowie für deren Witwen und Waisen, hüllt dieser Tage ihre ordentliche General-Versammlimg ab. Aus dem Berichte des Vorsitzenden ging hervor, daß das Vermögen der Kasse 885 148,59 Mark beträgt und sich somit um ea. 40 000 Mark gegen 1897 vermehrt hat und daß die Mitgliederzahl sich auf 3>9, darunter 97 verheiratete, beläuft. Wie in den früheren Jahr n, so haben auch 1898 die Chefs der Firma N. Israel durch einen Jahreszuschuß von 10 000 Mark ihr Interesse für die Entwickelung derJacob Israel-Stiftung bekundet. — Am Donnerstag vergangener Woche hat die Vereinigung der Synagogensänger zu Berlin zum Besten ihrer Unterstützungskasse in den Räumen derPhilharmome ein Konzert mit anschließendem Tanz veranstaltet. Das Konzert bot ausgesuchte künstlerische Genüsse, der Ball hielt Tausende von Teilnehmern in frohester Stimmung bis zu später Stunde zusammen. — Rabbiner Dr. Jaulus in Aachen hat am Geburtstage des Kaisers in Uebereinstimmung mit dem Garnison- Kommando für die jüdischen Soldaten einen besonderen Festgottesdienst abgehalten. — Distriktsrabbiner N. Bamberg er in Würz bürg hat an die Gemeinden seines Sprengels und an andere Gemeinden die dringende Einladung zu Spenden für die Armen des heiligen Landes gerichtet. — Herr Bernhard Morgenstern in Brünn hak für -wohlthätige und gemeinnützige Stiftungen 166 000 Gulden letztwillig bestimmt. — Das Ehepaar Simon Goldschmidt in Treysa hat in voriger'Woche oie goldene Hochzeit gefeiert. — Frau Baronin Hirsch ist in Paris angekommen. Ihr Befinden ist leider noch immer besorgniserregend. — DiejüdischeGemeindeinDresden hat von einem dieser Tage verstorbenen Mitgliede 260 000 Mark geerbt. Der Legatar ky.tte diese Summe vor Jahren für die Stadt Dresden bestimmt, sein Testament aber geändert, nachdem kürzlich die Dresdener St-dtverordnetenversammlnng die Naturalisation eines einwandfreier! Mannes abgelehnt hat, blos weil er Jude ist. — Die königliche Regierung in Wiesbaden hat der Lehrerin Fräulein Jenny Lazarus die Konzession zur Leitung des israelitischen Zentralwaisenhauses und Mädchenheims in Ems widerruflich erteilt. Die Anstalt darf nicht mehr als fünfzig Kinder aufnehmen. — Herrn Ahlwardt ist in Apo-lda von Polizeiwegen die Abhaltung eines Vortrages am Geburtstage des Kaisers verboten worden. In der jüngsten Generalversammlung des israelitischen Mildthätigkeitsvereins in Ostrowo wurde der statutenmäßige Meistbetrag der zu gewährenden Einzeldarlehen von 200 auf 600 Mark erhöht. Die Vorstandsmitglieder Herren Schloß und Hermann wurden auf drei Jahre wiedergewählt. Der Vermögensbestand hat 5000 Mark überstiegen, die Zahl der Mitglieder ist nahe an hundert. — Frau Baronin Hirsch hat in Frankfurt a. M. eine „Goldschmidt- Bischofsheimsche Darlehnskasse" gestiftet, die unverzinsliche Darlehne bis 800 Mark an würdige Personen ohne Unterschied der Konfession geben soll. — Im Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache in Köln hielt dieser Tage Herr Rabbiner Dr. Frank auf die verstorbenen Wohlthäter und Gönner der Anstalt eine Gedächtnisrede, in der er die drei Haupttugenden aller Religionen betonte: praktische Menschenliebe, Besuch und Pflege der Kranken und Liebesdienste gegen die Verstorbenen. — Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Ratibor hielt am vorigen Samstag Abend seine Generalversammlung ab. Der Jahresbericht stellt ein weiteres Aufblühen des Vereins fest. Vorträge einheimischer und auswärtiger Redner sowie Referate über populärwissenschaftliche Themata förderten die Bestrebungen des Vereins, vorurteilslose Kenntnis über jüdische Geschichte und Literatur in weiterem Kreis zu verbreiten. Die Bibliothek, die mehrere Hundert Bände zählt, und deren Benutzung jedermann freisteht, fand wesentliche Erweiterung. Der Verein zählte am Schluffe des Berichtsjahres 124 Mitglieder. Der Generalversammlung ging ein Referat des Apothekenbesitzers Eckstein „Ethnographische Skizzen über die Juden in Afrika" voran. Vakanzen Offenburg (Baden). Rel.-L., Vors., Sch. 650M. Geh., fr. W., 160 M. Nebeneink. Meld. an Dr. M Rawitsch. —Rust, AmtEttenheim (Baden) Rel.-L., Vors, Sch 650 M. GH., 150 M. Nebeneink., kr. W. Meld. an Dr. M. Rawitsch in Offenburg (Baden). Brief- und Fragekasten. Herrn I. jL. in B. Getauft? "Nein. Mischehe? Ja. Mit einer Katholikin. — Herrn Dr. F. in B. Woher soll ich den Platz nehmen? — Herrn Sch. in H., Oberh. Sie wollen sich bei Ihrer zuständigen Ortsmilitärbehörde (Bezirkskommando) zur Ableistung des 10 wöchigen Dienstes melden und dabei anführen, daß und wieso Ihnen aus einer Verspätung der Dienstleistung Schaden erwachsen würde. — K. D. Maßgebend ist das Gemeinde-Statut. Wenn Sie mir dies einsenden, werde ich Ihnen genaue Auskunft geben. — Herrn —l. —l. in P. Schönsten Dank. — Herrn Dr. M. in Nt. Dank für die Mitteilung. — Herrn Dr. A. in B. Mich erfreut die Aufklärung. Besten Gruß. — Herren A. K., I. D., S. N. u. I. S. in F. Aus Mangel an Raum für nächste Woche zurückgestellt. — Herrn L. Sch. in M. Ist gern geschehen. — Herrn G. B. in B. Die Lehrbücher von M. Rahmer und von I. Herzberg seien Ihnen empfohlen. Beranwortliö^ für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Erik Pfeffer in Berlin. «erlag: Siegfried Eronbach. Berlin W. 67. — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Roßstr. 8.

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