Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 33 (1921)
- Issue
- 4 (6.1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Wir haben. keinerlei Veranlassung, dieser niedlicii'en Spielerei, durch welches offenbar zahlreichen unbeschäftigten Mitgliedern jder „Frontkämpfervereinigung“ (und desi„ Volkssturms“ zeitweilig ein lohnender Erwerb geboten werden soll, hindernd in' den Weg 'zu treten. Selbstverständlich ist durch diese ganz und gar unkontrolliertere „Statistische xVufnatime“ jeder Unwahrheit und Mogelei, jeder Verleumdung und Denunziation Tür und Tor geöffnet. Die Ausfüllung der Fragebogen erfolgt auf keinerlei (apitlrcher Grundlage, [sie beruht auf bloßem Hörensagen und da die Einsender unbekannt sind, können sie alles Mögliche und Unmögliche 'zusämmenlügen. Den Anstoß! zu solchen Lügen gibt ja der Zweck der ganzen Veranstaltung, den die „Reichspost“ folgendermaßen umschreibt: „Aus ungezählten Schreiben spricht die Ueberzeugung von der Wichtigkeit einer solchen, möglichst eingehenden Statistik, die über die Verarmung der christlichen bodenständigen Bevölkerung der ehemaligen Residenzstadt erschreckenden Aufschluß zu geben vermag. Schon aus1 den bisherigen Angaben, die in der Kanzlei des „AntiseUiitenb undeS“ einliefen, ist ungefähr ein Ueberblick aber die furchtbaren sozialen Veränderungen zu gewinnen, die in den letzten Jahren [über Wien gpkomhien sind. Was' die Gesamtheit des bisher verfügbaren, verhältnismäßig noch wenigen Ziffernmaterials1 'meldet, läßt es' begreiflich erscheinen, daß man mit solcher Vorsicht einer Klarlejgüng der tatsächlichen Verhältnisse ausg'ewieben ,ist. Man befürchtete eben von der Kenntnis' der wahren Sachlage ein ungeheures1 Anschwellen der antisemitischen Bewegung in jenen Kreisen, die heute noch einer organisatorischen Abwehr gleichgültig, zum Teil sogar noch feindselig gegenüberstehen, um so mehr als heute selbst dis radikalsten Antisemitein die Gefahr in ihrer Gänze nicht abzuschätzen vermögen.“ Der „Judenkataster“ soll also das Material zu einer scheinbar an! sOiigfältigen, . in Wahrheit aber jede Fälschung und Uebertreibuüg ermöglichenden Erhebungen beruhenden Judenhetze geben. Wir sind überzeugt, daß die Blütenträume der Herren Jerzab ek, O rel und Genossen nicht reifen werden, daß selbst diese Karikatur einer Statistik das von ihnen erhoffte und erwünschte Resultat nicht ergeben wird. An derart zustande gekommenen, vom Hasse und von der Lüge diktierten „Statistiken“ war ja auch1 bisher kein Mangel, Vor drei Jahren (mußte die „Reichspost“ ihre freche Behauptung, daß an der Wiener medizinischen Fakultät 93 Prozent Juden und nur 7 Prozent Arier inskribiert seien, auf Grund des von uns bei gebrachten Gegenbeweises als unwahr zuriückzieheh. Im berüchtigten FritsCh-Verlage erschien eine Abhandlung '„Das' Judentum in Oesterreich“ und ein „Handbuch der Judenfmg’e“, in welchen angeblich nach „zuverlässigen Angaben sachlich arbeitender Statistiker“, deren Namen aber wohlweislich ver-