Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 33 (1921)
- Issue
- 4 (6.1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Audi <l-as Erscheinen des „D n i o n -Kalende r s“ haben, wir zu unserem großen Bedauern sistieren müssen, da selbst bei einer sehr bedeutenden Steigerung des Ladenpreises die Kosten für Satz, Druck, Papier und Versendung nicht hätten hereingebracht werden können. In tiefstem Schmerze beklagen wir den Heimgang unserer beiden ehemaligen Präsidenten Wilhelm Anninger und Siegmund Mayer, an deren Namen sich ein mächtiger Aufschwung und eine glanzvolle Epoche der „Oesterr. Israel. Union“ knüpfte. Ein glücklichles Geschick hat diese beiden Männer, weichet Seele und Kopf der „Union“ bildeten, zusammen in unsere Reihen geführt und ihr gemeinsames Wirken wird für alle Zeit die ruhmvollsten Blätter in der Geschichte unseres Vereines ausfüllen. Ihr Tod war ein schwerer, ja unersetzlicher Verlust für die österreicKischb Juden schaff und ihr gesegnetes Andenken wird in unserer Mitte dauernd fortleben. Lassen Sie uns hei diesem Anlasse auch jener zahlreichen treuen Mitglieder der „Union“ in Trauer gedenken, welche uns der Tod in den 'letzten. Jahren entrissen hat. . Geehrte DelegiertenversämUxiung!. Getreu unserer xAufgabe, die staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Juden gegen jede Antastung und'Bedrohung, mag sie von weicher Seitei immer kommen, zu verteidigen, haben wir, wenn auch schweren Herzens, vor 2 Jahren den K a m p f g-e gen die j ü d i s C h n a t i o - n ,a 1 e Partei auihehmeri müssen, in deren Forderung nach! Anerkennung einer besonderen jüdischen Nation in Oesterreich wir eine um so gefahrvollere Beeinträchtigung unserer staatsbürgerlichen Rechte erkennen mußten, als die Führer dieser Partei öffentlich verkündeten, daß1 die im Friedensvertrag von St. Gennahi 'festgelegten Minderheitsrechte .und der neue Völkerbund die Stellung der Juden im ..Staate Wirksamer schützen würden als die Staatsgrundgesetze. Die Berufung auf die Entente, welche mit diesem Friedensvertrag Oesterreich' in das tiefste Elend gestürzt hat, hallte uns in den Augen unserer christlichen Mitbürger geradezu mit dem Mangel jeglichen Staat sgefiihls belastet. Die Verwirklichung dieser Forderung» einer besonderen jüdischen Nation in Oesterreich -würde bedeuten, daß die Juden in Oesterreich sich , selbst absondern wollen, und die unausweichliche Folge eines1 solchen Standpunktes/ wäre eine AuSlnahmisgesetzgebung, welche die freie Betätigung unserer Kräfte in allen Belangen des' öffentlichen-Lebens, namentligb lau elf des Wirtschaftslebens, entweder vollständig; lahmlegen oder nur nach der Prozentnorm ermöglichen würde. Eine solche freiwillfgle Preisgabe unserer verfassungsmäßig begründeten Rechtsigleidhheit wäre ein Verbrechen an uns1 selbst und an* der Zukunft unserer Kindgr. Den Gipfelpunkt (fieses Kampfes gegen die Jüdisch nationalen bildeten die vor Jahresfrist dnrclige-i