Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 12 (12.1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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3 griechische Verwaltung käme und von griechischen Kaufleuten überflutet würde, welche die jüdischen Kaufleute bald verdrängen würden. Die Qualitäten der einen und der anderen sind zu gut bekannt, als daß wir nötig hätten, uns des Näheren damit zu befassen. Die vitalsten Interessen Oesterreich-Ungarns erheischen eine Lösung der Saloniker Frage nach der Richtung, daß Saloniki zur Freistadt mit autonomer Munizipalverwaltung nach dem Muster der deutschen Hansastädte gemacht werde. Ist dies nicht zu erreichen, dann schaffe man dort wenigstens einen Freihäfen unter bulgarischer Verwaltung, durch welche die jüdische Handelswelt in Saloniki voraussichtlich nicht an ihrer Wurzel getroffen, vielmehr ein Element erhalten würde, dessen Oesterreich-Ungarn zur Fortdauer seiner levantinischen Handelsbeziehungen nicht entbehren kann. Graf Berchtold mag achtgeben! Es ist nicht unmöglich, daß die bei uns herrschenden und von feudal-agrarischer Seite geflissentlich genährten antisemitischen Anschauungen — bewußt oder unbewußt — auch bei der Entscheidung der Frage von Saloniki sich durchzusetzen versuchen werden. Unsere Christlich-Sozialen haben sich ja schon den Rumänen aus dem Punkte des Judenhasses heraus angebrüdert, warum sollten sie nicht, um die Juden in Saloniki zu verderben, dasselbe mit den Griechen tun? Aber hier handelt es sich nicht um die Juden, sondern um die wichtigsten Handelsinteressen Oesterreich-Ungarns, um seine derzeitige und zukünftige Geltung im Orient! Wenn schon nicht die innere, so mag doch wenigstens unsere auswärtige Politik nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes geführt und von antisemitischen Hetzereien freigehalten werden. Wir wiederholen: Graf Berchtold mag achtgeben! Siegfried Fleischer. Israel und der Zar. Von Max Viola. Nach Meldungen der Blätter ist der berühmte Berliner Chirurg James Israel vom Zaren zum schwerkranken Großfürsten-Thronfolger nach Rußland berufen worden. Israel im Joche schrie auf zu dem Zar: 0, mächtiger Kaiser, Erbarmen! Blutgierige Räuber durchziehen die Stadt Und morden die Kinder, die armen.