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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-05-01 · 5 (5.1912) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
5 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 24 (sequence 29)
Language
German
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24 teten mit Zittern und Beben einen Pogrom. Am 6. März kam der Vater des Mädchens Stefan Shiner in die Stadt. Er hörte, daß die Kleine verschwunden sei. Die Hausleute erzählten ihm, die Kogan sei die Schuldige. Aber Shiner glaubte das Ritualmärchen nicht und machte bei der Polizei nur die Anzeige vom Verschwinden der Tochter. Mehrere Tage lang waren alle Nachforschungen der Polizei vergeblich. Erst am 10. März erfuhr man durch einen jüdischen Schankwirt von dem Verbleib des Mädchens. Er erzählte, es sei am 10. März ein Unbekannter zu ihm gekommen, habe getrunken und dabei erzählt, bei einem gewissen Wolkow sei ein Mädchen erschienen, das sich verirrt habe. Sie sage, man habe sie schlachten wollen. Der Okolototschny fuhr sofort mit der Kogan zu Wolkow, wo sie die kleine Mariora vorfanden. Sie wurde mitsamt der Frau des Wolkow 'zur Polizei gebracht. Dort wurde festgestellt, daß das Mädchen die ganze Zeit bei den Wolkows zugebracht hatte. Dieser Wolkow war ein bekannter Verbändler, er hatte bereits 8 Jahre Zwangsarbeit wegen eines Mordes hinter sich. Das Mädchen sagte, es habe Angst vor der Kogan gehabt, weil Lisa und Ilja Wolkow ihm gesagt hätten, die Kogan werde es zu Ostern abschlachten. Wie es zu Wolkows gekommen sei, Wußte es nicht genau zu sagen. Die Polizei brachte das Kind von der Kogan fort und übergab es, trotz des Protestes des Vaters, den Wolkows. Der Protest der Kulturwelt gegen das Ritualmordmärchen. Wir hatten vor einiger Zeit den Wortlaut des Protestes veröffentlicht, den führende Persönlichkeiten in Rußland, Frankreich und Deutschland gegen die Ritualmordbeschuldigung in Kiew erhoben haben. Diesem Protest schließen sich nunmehr auch die hervorragendsten Persönlichkeiten Englands an. Die Liste der Unterzeichner, welche wdie ersten Namen des vereinigten Königreichs enthält, eröffnen die höchsten geistlichen (Würdenträger des Landes, nämlich der Erzbischof von Canterbury, der Erzbischof von York, der Erzbischof von Armagh und Primas von Irland und der Kardinalerzbischof von Westminster. Ihnen schließen sich an' die Herzoge von Norfolk und Northumberland, der frühere /Premierminister Earl of Rosebery, Lord Selborne, der frühere Oberhauspräsident Earl of Ha 1 sbury, der einstige Prokonsul von Aegypten Earl Cremer, Lord L1 a n d a f f und Lord M i 1 n e r, achtzehn Bischöfe und 'zehn andere Kirchenhäupter. Lord Rayloigh, Kanzler der Universität von Cambridge, Lord Cheylesmore, Präsi-

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