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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-05-01 · 5 (5.1912) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
5 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 19 (sequence 24)
Language
German
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19 schmähliche Kompromiß mit den Deutschradikalen einleitete, ein — selbstverständlich ungenannt sein wollender — Autor malte in all’ den „Bezirkspressen“ unter dem Titel „das politische Programm des Judentums“ seinen harmlosen Lesern ein Schauergemälde von den Schrecken vor, die seiner harren, wenn das so furchtbar gefährlichfei Judentum zur Macht käme. In der Tat spart der von dem angeblich „englischen Rabbiner“ „John Readcliff“ (man beachte die Schreibweise!) entwickelte Kriegsplan gegen alle, die nicht jüdisch sind, nicht mit modernen Schrecken. Die Herren der Börse müssen die Staatsschulden vermehren helfen, womit „heute bereits alle Kaiser, Könige und Fürsten“ 'zufolge der Aufrechterhaltung „.ihrer wankenden Throne durch die Millionenheere überlastet sind“. Als Faustpfand müssen die 'Juden idie Hand legen auf die „Eisenbahnen, Bergwerke, Waldungen, Hochöfen, Fabriken, ja selbst die Steuern“ der betreffenden Länder. Auch die Zertrümmerung des Großgrundbesitzes, damit der Boden in jüdische Hände übergehe, bilde einen wichtigen Programmpunkt. „Jeder Krieg nach außen, jeder Aufruhr, jede Erschütterung im Innern“ bringe die Juden um einen Schritt näher „jenem erstrebten Tage“ der Beherrschung durch das Geld. „Juden müssen das Getreide verteilen an falle .... Juden müssen Alleinherren der Presse werden, um alle bisherigen Ideen über Ehe, Tugend usw. Umstürzen zu können ...... Mit jüdischem Gelde seien die Kapazitäten der „Gojim“ feil zu machen und in Schlaf zu lullen usw.“ Nicht um diesem lächerlichen Gesudel die Ehre der Widerlegung angedeihen zu lassen, sondern um zu zeigen, mit welchen Waffen der Lüge bei den eben abgeführten Wahlen gekämpft wurde, wollen wir berichtigend feststellen, daß es niemals einen englischen Rabbiner dieses Namens gab: folglich konnte auch niemals diese angeblich im Jahre 1880 gehaltene Rede gesprochen worden sein. Wahr ist dagegen, daß unter dem Pseudonym Retcliff ein deutscher Antisemit, der einstige Redakteur Hermann Goedsche im Jahre 1868 — nicht 1880 — einen Roman: „Gaeta—Warschau—Düppel“ veröffentlichte, in dessen 1. Bande eine frei erfundene Schilderung eines mittelalterlichen Konzils, überdies zur Erhöhung des Gruseins auf dem Prager Judenfriedhof (!) enthalten ist. Aus dieser haarsträubend-phantastischen Expektoration stoppelte nun vor etwj. 21 'Jahren die antisemitische „Berliner Korrespondenz“ willkürlich eine „Rede“ zusammen, die 1906 sich als wirksamste Propaganda für Pogrome in Rußland bewährt hat. Unergründlich bleibt nur, daß man bei Uebernahme dieses literarischen Schandproduktes in die „Bezirkspressen“ zum Zweck der Wahlbeeinflussung nicht das Konversationslexikon zu Rate gezogen hat. Man hätte daraus — außer der richtigen

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