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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1912) · p. Seite 31

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 31 (sequence 34)
Language
German
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31 ließ ssich auch ein Gebetbuch zeigen und das ganze Fest der Makkabäer erklären. Der Bürgermeister bestätigte in seiner Bede, daß die Juden überall, wo sie hinkömmen, loyale Untertanen seien. „Wenn ihr einem Lande entfremdet werdet“, sagte er, „so ist es nur, weil man euch unterdrückt. Ihr seid das älteste Volk der Welt; ihr hattet ein Heer, eine Regierung, eine Literatur und alles, was zu einer Nation gehört, als ureigenstes Eigentum. Die Hand Roms hat schwer auf euch gelegen. Auch als ihr euch zerstreuen mußtet, trugt ihr das Grundprinzip der Religion mit euch herum. Ihr habt die Lehre vom einzigen ewigen Gott gepredigt und damit der Welt die größte Tatsache der Geschichte geschenkt. Die Christen haben eure heiligen Schriften zu ihren heiligen Schriften gemacht. Freilich haben sie euch verfolgt, aber alle wahrhaft großen Herrscher haben etwas für eure Befreiung getan.“ Friedrich der Große, Cromwell, Napoleon. Nun gebe ich euch zu bedenken, daß eure Vorfahren alle sich mit Landwirtschaft abgegeben haben. Sie hielten Herden, pflügten, säten und ernteten. Ihr mußtet dieser Beschäftigung untreu werden, weil man euch den Landbesitz verwehrte; jetzt aber in diesem großen, freien Lande hoffe ich, daß ihr zur Landwirtschaft zurückkehren werdet.“ Hier unterbrach den Redner ein ungeheurer Beifallssturm, der sich erst legte, als die Versammlung bemerkte, Mayor Gaynor wolle weitersprechen. Er sagte dann: „Als Hausierer verdient ihr lächerlich wenig; ich glaube, die meisten unter euch wären auf einer kleinen Farm in Long Island besser daran. Zur Zeit, als ihr Bauern wäret, habt ihr eure herrlichem Schriften abgefaßt; ich werde euch jetzt zeigen, wie wunderbar schön eure Schriften sind.“ Der Mayor nahm das Buch der Psalmen, schlug Selbst die Stelle auf und bat den Vorsteher Louis Diamant, den dreiundzwanzigsten Psalm zuerst englisch, dann hebräisch vorzulesen. „Das ist nur eines unter den tausend Juwelen, die eure Schrift 'enthält“, sägte Mayor Gaynor weiter. „^Zahllosen Herzen hat der Psalm Trost gespendet und neue Kraft gegeben. Wenn ihr euch an eure Schrift haltet und an euren ewigen Gott, kann euch niemand etwas anhaben. Eure Schrift enthält überdies die besten -sjanitären Vorschriften, welche die Welt kennt. Hier in den Vereinigten Staaten seid ihr loyale Staatsbürger. Es gibt Leute, die fürchten, ihr werdet nicht richtig wählen. Ich denke jedoch, ihr eht, was unter euren Augen vorgeht. Niemand kann euch bei der Hand fassen und zur Wahlurne schleppen.“ Der Bürgermeister erinnerte seine Zuhörer diann noch an all die Größen, die ihr Stamm hervorgebracht, an Spinoza, Disraeli, Mendelssohn, Montefiore. Mit einem Angriff auf den Ersten Bürgermeister von Newyork, Stuyvesant, der den Juden mit Mißtrauen begegnete, schloß er seine Ausführungen.

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