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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. Seite 38

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
23 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 38 (sequence 50)
Language
German
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38 zipation der deutschen Kulturarbeit gewidmet haben. Es gebe kein nationales oder politisches1 Interesse, das eine Zurücksetzung der Juden fordere, es seien lediglich die Rückstände mittelalterlichen "Weltanschauung sowie die Verletzung persönlicher Interessen durch den Wettbewerb fleißiger und intelligenter Juden, die zur antisemitischen Regung geführt haben. Es wurde eine entsprechende Resolution angenommen, in welcher der Verband die deutschen Juden selsbt zu tatkräftiger Arbeit an der Beseitigung des Unrechts auffordert, zu toller Einmütigkeit und Disziplin in den Abwehrbestrebungen, zu energischer Betätigung im politischen Kampf für die Gleichberechtigung. Nach einem weiteren Vortrag von Professor Doktor G o ld s te i n - Darmstadt über ,„Das deutsche Geistesleben und die Juden“ und nach Erledigung des Kassenberichts und der Wahlen wurde die Tagung geschlossen Frankfurt a. M. (Offener und versteckter Antisemitismus.) Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am 30. Oktober im Saale der Frankfurt-Loge seine stark besuchte Generalversammlung ab. An den Geschäftsbericht schloß sich das Referat des Abgeordneten Gothein über „Offenen und versteckten Antisemitismus“. Er führte aus: Je politisch rückständiger ein Volk ist, desto stärker zeigen sich die konfessionellen Gegensätez. Wenn in England und Amerika konfessionelle Gegensätze nicht mehr bestehen, so ist das doch erst die Folge langwährender Glaubenskämpfe, besonders in England. Das nur in kulturell fortgeschrittenen Staaten geltende Recht der Persönlichkeit ist es, das zur Duldsamkeit in nationaler und konfessioneller Hinsicht führt. Deshalb ist die Judenfrage für alle kulturell rückständigen Völker eine sehr schwierige und war es auch für Deutschland lange Zeit. Um so mehr, als das Judentum lange ein für sich abgeschlossenes Volk im Staate sein wollte. Die Juden wurden ausgeschlossen vom Handel und Ackerbau, und so geradezu zum Geldgeschäft und Handel gedrängt, wodurch wieder ein neuer wirtschaftlicher Gegensatz geschaffen wurde. Jetzt ist ja wohl der Ackerbau den Juden in Deutschland gestattet, aber gehen Sie einmal nach Ostelbien und sehen Sie, wie dort ein jüdischer Grundbesitzer gesellschaftlich boykottiert und von allen Ehrenämtern ausgeschlossen wird. Auch von vielen Beamtenstellen ist das Judentum ausgeschlossen und so auch heute noch zum Gelderwerb durch Handel und Börsengeschäfte gedrängt. Dadurch steigert sich in den jüdischen Familien das Kapital von Generation zu Generation und steigt der Neid des weniger Begüterten. Das Judentum will jetzt nicht mehr ein eigenes Volk im Staate bilden, nicht mehr ein auserwähltes Volk sein, sondern beansprucht das Recht des gleichberechtigten Staatsbürgers. So weit die Pflichten .gegenüber dem Staate in Frage kommen, hat man den Juden auch Gleichheit zugebilligt, nicht aber in bezug auf die Staatsbürgerrechte. Man betrachte sich unsere Verwaltungszweige darauf hin, wie viele Juden in ihnen sind! Man will die Stellen des höheren Beamtentums gewissen Ständen Vorbehalten; vor allem dem

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