Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Minsk 1× ep/1000754
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38 Vergehen schuldig gemacht hätten. Der Kriegsminister v. Einem erteilte hierauf nachstehenden Bescheid: Auf Ihre Eingabe vom 19. November d. J. erwidere ich Ihnen ergebenst. dass Fälle, in denen sich jüdische Militärärzte Durchstechereien ans Anlass der Rekr u t i e r u ngsgeschäfte schuldig gemacht und Anlass zu gerichtlichem Einschreiten gegeben hätten, mir aus meinem Geschäftsbereich nicht bekannt geworden sind. St. Petersburg. (DasWohnrecht der Juden in Russland.) Zu welchen Absurditäten das „Wohnrecht" der Juden in Russland führen kann, beweisen verschiedene neuerdings bekanntgewordene Einzelfälle: Beabsichtigten da die Studierenden der Elektrotechnik an der Kiewer Technischen Hochschule während der Weihnachtsferien unter Leitung des Prof. Artemjew die elektro-technische Ausstellung von Moskau zu besuchen. Alle Vorbereitungen waren bereits getroffen und die Abfahrtsstunde war bereits bestimmt, als die Moskauer Behörde die telegraphische Mitteilung machte, dass die vier jüdischen Studenten, weil sie als Juden nicht das allgemeine Wohnrecht besitzen, selbst nur für zwei Tage nach Moskau nicht kommen dürfen. Sämtliche Teilnehmer nebst Prof. Artemjew verzichteten darauf auf die ganze Reise. Aehnlich war das Schicksal der von den Schülerinnen des Minsker Mädchengymnasiums geplanten Exkursion. Auch hier handelte es sich um einen Besuch von Moskau, dessen Sehenswürdigkeiten die Mädchenjugend anzogen. Am Tage vor der Abreise depeschierte der Gymnasialdirektor an den Moskauer Generalgouverneur und bat ihn, die Exkursion unter seine Obhut zu nehmen. Darauf erfolgte vom General Hörschelmann die Antwort, dass er die christlichen Schülerinnen mit Freuden aufnehmen, den Jüdinnen hingegen den Aufenthalt in .Moskau nicht gestatten würde. Nach diesem Bescheid unterblieb auch die ins Minsk geplante Ferienreise, indem die christlichen Mädchen mit ihren jüdischen Kolleginnen sich solidarisch erklärten. Die Wissenschaft vom jüdischen Wohnrecht in Russland ist eine der schwersten und verzwicktesten juristischen Disziplinen in Osteuropa. Indes, solche Behinderungen wissenschaftlicher Exkursionen auf Grund des Judenrechts sind selbst in der vorkonstitutionellen Zeit nur wenig vorgekommen. Um so mehr finden sie sich jetzt im konstitutionellen Russland. 8t. Petersburg. (Ein Jude für 20 Kopeken verkauft) Ein Sittenbild aus dem schwärzesten Russland lag einem gewiss ungewöhnlichen Prozesse zugrunde, der dieser Tage in Hajsyn (Gouvernement Podolien) verhandelt wurde. Der Sachverhalt ist nach der „Nowa Gazeta" folgender: Ein Jude fahr mit einem Bauern durch den Wald; unterwegs begegneten sie einem Wagen mit noch zwei Bauern. Die letzteren schlugen dem Fuhrmann vor ihnen „den Juden für 20 Kopeken zu verkaufen". Der „Iswoschtschik" war