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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 30

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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30 sowie auch das Streben der Vereinsleitung die friedlichen Zustände innerhalb der verschiedenen Strömungen aufrechtzuhalten würdigt, der Vereinsleitung Dank und Vertrauen ausgesprochen. Bei den darauf stattgefundenen Ausschußergänzungswahlen wurden die abtretenden Ausschußmitglieder wieder-, die Herren Dir. Ad. Brod, kais. Rat Robert Fuchs, G. Steiner und Karl R e s e k neugewählt, und die bisherigen Revisoren per acclamationem im Amte bestätigt. München. Zu den Gemeindewahlen in München haben nun auch die Antisemiten, unter der Führung des bekannten Redakteurs Wenng, ein Programm aufgestellt, das eine Sammlung frivoler Behauptungen enthält und natürlich nur von „Judenliberalismus" faselt, der an allen unangenehmen Dingen schuld ist. Wie „mächtig" das Judentum im Münchener Gemeindekollegium ist, zeigt die Tatsache, daß unter 60 Mitgliedern ein einziger Jude sich befindet. Das nämliche „Ueberwuehern" des israelitischen Teiles der Bevölkerung zeigt sich im Münchener Magistratskollegium, in dem auch ein einziger Jude sitzt. Die Antisemiten nehmen es allerdings niemals und nirgends mit der Wahrheit so genau; dafür sind sie um so phantasiereicher. Sie verlangen u. a. in ihrem Programm die Verdrängung einseitiger Parteiherrschaft, die Herr Wenng natürlich niemals einführen würde. Dann wird verlangt die Schaffung eines 3. bürgerlichen Bürgermeisters, der über den beiden juristisch gebildeten Bürgermeistern stehen soll. Ganz hübsch nimmt sich auch das Verlangen nach der Beseitigung des Freizügigkeitsgesetzes aus. Die Judeneinwanderung und -Bewegung soll (durch die Münchener Gemeinde!) beschränkt werden. Daß die Juden überhaupt nicht mehr zu den Menschen zählen, geht aus der Tatsache hervor, daß das antisemitische Programm ein einträchtiges Zusammenleben nur von Katholiken und Protestanten fordert. Die Juden kennt das Programm nur, wenn man sie beschimpft. Der Antisemiteni'ührer Wenng, der hie und da auch stark mit dem Bund der Landwirte „geschäftlich" zu tun hat und auch dem Zentrum nicht abhold ist, wenn dabei etwas zu holen ist, hat in bekannter Bescheidenheit auch sich in der Vor¬ Vorschlagsliste an die Spitze gestellt und sich dreimal gehäuft, die anderen mußten sich mit der zweimaligen Nennung begnügen, und einer steht nur einmal darauf. Paßt dem Herrn Wenng der Wahlausgang nicht, so hat er auch schon ein Mittel parat, um die Wahl anzufechten. In den Feststellungsausschuß wurden nämlich je zwei Liberale, Zentrumsleute und Sozialdemokraten gewählt, die antisemitische Fraktion, aus dem G.-B. Wagner bestehend, aber nicht berücksichtigt. Herr Wenng erklärt kategorisch, daß ehrliches Spiel getrieben werden müsse. Wenn, so sagt er, wir (die Antisemiten) uns bei den kommenden Wahlen benachteiligt sehen sollten, wird die Gültigkeit der Wahl auf jeden Fall angefochten. Wir hoffen, daß Herr Wenng mit seinen Getreuen nicht in die Verlegenheit kommt, in das Münchener Gemeindekollegium einzuziehen. Dann hat er Zeit zur Ausarbeitung dieser Wahlanfechtung. Berlin. (E i n unglaublicher Erlass.) Darüber, dass den Staatsbürgern jüdischen Glaubens entgegen dem Geiste der Verfassung aus konfessionellen Rücksichten der Zutritt zum Offizierkorps, den Regierungsämtern und der höheren juristischen Karriere vorenthalten wird, ist bereits vielfach Klage geführt worden, in der Presse, wie in den Parlamenten. Eine durchgreifende Besserung haben indessen die Reklamationen bisher nicht herbeigeführt. Jetzt erfährt man von einem Erlasse, der so ungeheuerlich klingt, dass man sich nur schwer entschliessen kann, an seine Authentizität zu glauben. Dieser Erlass bekundet, dass auch die höhere Subalter nkarriere bei der Regierung den Anwärtern jüdischen Glaubens erschwert, resp. vorenthalten werden soll. Wie nämlich das „Israelitische Familienblatt" in

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