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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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5 liehen Vorsehung, die uns einen Herrscher gab, erfüllt von Weisheit, Milde und Gerechtigkeit und bitten: Gott erhalte, Gott beschütze, Gott segne Seine Majestät, unseren geliebten Kaiser Franz Josef 1.1" Der Präsident schloß mit einem dreimaligem Hoch, in welches die Mitglieder der Deputation einstimmten. Der Kaiser erwiderte: „Für die Huldigung der israelitischen Kultusgemeinden sage Ich Ihnen meinen wärmsten Dank. Die israelitische Bevölkerung hat immer eine Staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet; Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltun. Seien Sie versichert, daß Ihr Glückwunsch Meinem Herzen wohlgetan hat und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines kaiserlichen Schutzes gewiß sein können." Hierauf hielt der Kaiser Cercle und sprach jedes Mitglied rmldvollst an, indem er sich zumeist um die Größe und um die Verhältnisse der einzelnen vertretenen Gemeinden erkundigte. Zum Schlüsse besichtigte er die Huldigungsadresse, über welche er sich in den allergnädigsten Worten aussprach. Damit war die Audienz beendet und beim Verlassen brachte die Deputation nochmals ein dreifaches Hoch aus. Der Boykott, die Regierung and die Parteien. In den letzten Tagen und Wochen sind uns zahlreiche Beschwerden aus dem czechischen und deutschen Sprachgebiete Böhmens über publizistische Aufreizungen zum Boykott jüdischer Geschäftsleute zugegangen. Es ist immer die alte Geschichte, die auch durch die Prager Exzesse bestätigt wurde: Die Kriegskosten des nationalen Kampfes zwischen Deutschen und Czechen hat der Jude zu bezahlen, mag er auch noch so still und zurückhaltend seinem Erwerbe und seiner Familie leben und sich um politische Parteiungen nicht kümmern. Die Technik des Boykotts ist in Oesterreich zu wahrer Meisterschaft ausgebildet worden, und sie wurde solange gegen unsere Glaubensbrüder geübt, bis die streitenden Nationalitäten gelernt hatten, sie zuletzt auch gegen sich selbst anzuwenden.. Ein unübertrefflicher Lehrmeister auf diesem Gebiete war der Staat selbst, der zwar in der Theorie festgestellt hat, daß die Zugänglichkeit zu den öffentlichen Aemtern vom Religionsbekenntnisse unabhängig ist, in der Praxis aber den Juden den Zutritt zu

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