Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- ■,;r^!vi?i^^M^T Monatschrift der OesterreiGhisch - Israelitischen Union, Nr. 12. Wien, Dezember 1908. Der Thron Salomos. (Zum 60 jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josefs I.) Eine phantasievolle Legende zum Buche Esther enthält eine Schilderung des Thrones, der für den König Salomo, beim Antritte seiner Regierung, angefertigt wurde. Derselbe war aus Elfenbein hergestellt und mit Gold belegt. Der eigentliche Königssitz war hoch angebracht, so daß sechs Stufen dazu emporgeführt haben. Diese waren in sehr auffälliger Weise ausgestattet. Auf der ersten Stufe lagerte auf der einen Seite ein goldener Stier und auf der anderen, ihm gegenüber, ein goldener Löwe, auf der zweiten Stufe, ebenso einander zugewendet, ein Bär und ein Schaf, und auf der dritten ein Leopard und ein Kamel. Auf der vierten Stufe saß auf der einen Seite ein Adler und auf der anderen ein Pfau, auf der fünften eine Katze und auf der anderen Seite ein Hahn, und auf der sechsten, in ebensolcher Weise, ein Sperber und eine Taube. Oberhalb des Thrones waren ebenfalls Taube und Sperber angebracht, aber so, daß die Taube den Raubvogel mit ihren Zehen festgehalten. Um die Deutung dieser Allegorien zu finden, muß man die von dem weisen Könige in seinem Staatswesen beherrschten Elemente kennen. Unter dem Szepter Salomos standen außer den zwölf Stämmen Israels auch die Edomiter, Philister, Amoniter, Moabiter und verschiedene aramäische und arabische Stämme. Es gab die mannigfachsten nationalen, konfessionellen, kulturellen und sozialen Gegensätze, welche im Interesse des Gesamtstaates im Banne gehalten werden mußten. Woran lag die bindende Kraft, die die, über alle mit dem Gemeinwohle unvereinbaren Sonderinteressen obsiegend, verschiedenartigen Völkerschaften und Menschenklassen zusammengehalten? In dem allen ohne Unterschied zugewendeten, tiefen Wohlwollen des Herrschers, in der Weisheit und Güte des gemeinsamen Monarchen.