Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 10 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Oekonomen W. F., der mit der Firma des Reisenden in Verbindung stand, Offerte zu machen. Dort angelangt, erfuhr K., dass der Oekonom auf der Jagd sei und in zirka einer Stunde nach Hause kommen würde. K. entschloss sich, auf seine Rückkehr zu warten und ging in das gegenüberliegende Gasthaus, wo er an einem leeren Tisch platznahm. An einem anderen Tische sassen 2 Bauern, welche den K. veranlassten, an ihrer Unterhaltung teilzunehmen. Aus Gründen der Höflichkeit beteiligte er sich an dem Gespräche. Er bemerkte jedoch bald, dass der eine von beiden, der sich stolz „Gemeindevorstandsmitglied" nannte und in einem hochfahrenden Tone sprach, darauf ausging, mit ihm einen Streit zu beginnen. Aus diesem Grunde brach K. das Gespräch ab. bezahlte und bat den Wirt sodann, ihn per Wagen nach Tepl zu bringen. Während der letztere die diesbezüglichen Vorbereitungen traf, suchte K. abermals den Oekonomen auf und erledigte seine Geschäfte. Inzwischen hatte das „Gemeindevorstandsmitglied" sich genötigt gefühlt, die Identität K's und den Zweck seines Kommens einer näheren Untersuchung zu unterziehen Er ging zu dem Oekonomen und liess sich die Karte, auf welcher die Firma K's sowie die Bemerkung „Vertreten durch Herrn V. K." angegeben ist, zeigen. K. der Reisende selbst stand zu dieser Zeit vor dem Gasthause, wo derWagen zur Abfahrt bereit gemacht wurde, und bat den Wirt, sich zu beeilen, Um ihn so rasch als möglich aus dem Orte zu bringen. Der im Gasthause anwesende zweite Bauer kam zu K. heraus und sagte wörtlich: „Sie waren heute sehr geduldig mit ihm; ich staune über Ihre Geduld", worauf K. erwiderte, dass der Zweck seines Kommens nicht der war, eine Rauferei einzugehen. Kaum war der Bauer ins Gasthaus zurückgegangen, kam das „Gemeindevorstandsmitglied", welcher bis jetzt den Mund mit lauter Anstandspredigten voll hatte und begann folgendes Gespräch: „Sie vertreten einen V. K.", der Reisende liess ihn bei diesen Irrtume und bejahte. „Das ist ein Jude", fragte er weiter, „Ja" war die Antwort. „Dann sind sie wohl auch ein Jude", „Jawohl", antwortete K. Daraufhin sagte der Bauer in drohendem Tone: „Dann schauen Sie, dass Sie sofort unseren Ort verlassen, sonst hetze ich Ihnen die Leute auf den Hals". K. selbst drängte nun in den Wirt, ihn nur schon aus dem Orte zu bringen. Während dessen musste er noch weitere Schmähungen von diesem Herrn anhören. Z. B.: „Unser Herrgott hat gesagt, es müssen immer einmal hundert Juden verrecken, da müssen Sie auch dabei sein. In unserem Dorfe darf sich ein Jude nicht zeigen, geschweige aufhalten" etc. Als K. bereits im Wagen sass, rief er dem Wirte, der den Wagen selbst lenkte, folgende Worte zu: „Schauen Sie, dass Sie ihn unterwegs in einen Graben werfen!" Der Wirt sagte dann im beruhigenden Tone leise: „Das werde ich weniger tun". Unterwegs äusserte der Wirt ferner, dass dieser Mann sein