Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-08-01 · 8/9 (August/September 1908) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
8/9 (August/September 1908)
Date
1908-08-01
Page
Seite 13 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9756662-9603886-9604145--2010-9604162
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 mit einem, zwei wohlgezielten Schlägen den Schädel zertrümmernd; ist ein Hund wütend geworden, machst du seinen Leiden und deiner Gefahr rechtzeitig ein Ende, dass er nicht Unabsehbares auch in der Nachbarschaft heraufbeschwört; Zimmerwanzen ist am besten mit heissem Wasser, Insektenpulver und diversen Tinkturen zu Leibe zu rücken; Läusen gegenüber hilft fleissiges Baden und in besonders hartnäckigen Fällen Merkurialsalbe — kurz, nach der Art des Feindes wird man sich das Abwehrmittel einrichten müssen, da man den Läusen nicht mit dem Pflock und dem Bär nicht mit der Zacherlinspritze zu Leibe rücken kann. „Forschen wir also, bevor wir an das Unschädlichmachen eines Schädlings gehen, zuerst gründlich seinem Wesen, seiner Kampfesweise und dem Grade seiner Schädlichkeit nach; vergegenwärtigen wir uns jedesmal, was uns eigentlich droht, halten wir uns vor Augen, dass der Biss eines wütenden Hundes wütend macht, dass der lüsterne Bär im Gehirn und dem Knochenmark seine grössten Leckerbissen sucht. „Der Feind, der dem Christen gefährlicher wird als alles hier aufgezählte, ist der Jude, gefährlicher deswegen, weil wir ihm gegenüber noch nicht ganz gerüstet sind und weil der Kampf mit ihm zumeist ein Kampf mit unzulänglichen Mitteln ist, denn Wanzentinkturen gegen Wanzen und gezogene Läufe gegen Raubtiere sind längst in Anwendung, während wir erst eine Zacherlinspritze gegen die Juden erfinden müssen. „ Wenn wir sie, allerdings noch immer gänzlich unzureichend mit irgend einer Gefahr vergleichen sollen, dann kennen wir sie höchstens noch zu einem alles verheerenden Heuschrecken schwärm oder einer nicht einzudämmenden Feuersgefahr in eine Parallele bringen. „Dass auch dieser Vergleich viel zu schwach diese Blutegel charakterisiert, erhellt daraus, dass sowohl Heuschrecke als Feuersbrunst nur die Früchte deiner Arbeit, während die Juden dir auch das Stückchen Erde, das dir geblieben, wegeskamotieren, dir also nicht die kleinste Hoffnung auf eine bessere Zukunft lassend Das sind die Intentionen dieser Blutegel, dahin gehen die. Bestrebungen der schmachtlockigen Heuschrecken. „Du wirst also einsahen, christliches Volk, dass Heuschrecke, Feuersbrunst, Pest keine grössere. Gefahr für dich sind, denn sie lassen dir die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, wenn nicht dies, so doch die Hoffnung auf ein besseres Jenseits, während der Jude mit seinen Saugwarzen wie ein langsam tötendes Gift an deinem Gut, ja sogar an Leib und' Seele nagt." Es ist aufliegend, dass derartige raffinierte Verhetzungen den gesunden Sinn der Bevölkerung überhaupt und namentlich in der ländlichen Bevölkerung — auf welche es zunächst abgesehen ist — verwirren, Hass gegen die Juden zu erzeugen geeignet sind, dass mit diesen Brutalitäten unverhohlen der nackte Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.