Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 44 (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9756662-9603886-9604000--1891-9604044
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 Jaffa. (Ein Pogrom.) Am Vorabend des Purimfestes, am 16. März, wurden auf der Bahnhofstrasse in Jaffa einige jüdische junge Leute von Arabern angegriffen. Während der allgemeinen Schlägerei, die infolgedessen entstand, flüchteten die Juden in das in der Nähe gelegene Hotel Baruch, das alsbald von der von Arabern herbeigerufenen Polizei umzingelt wurde. Da die Polizei jedoch ohne Erlaubnis des russischen Konsuls in das einem russischen Untertanen gehörige Haus nicht eindringen durfte, so wartete man die Ankunft des russischen Dragomans und des Kawassen ab, worauf aus dem Hotel heraus fünf Juden verhaftet wurden, ohne dass festgestellt worden wäre, ob diese überhaupt an der Schlägerei beteiligt waren. Jedenfalls wurden bei ihnen irgend welche Waffen nicht gefunden. Das Hotel Baruch, ebenso wie das benachbarte rassisch-jüdische „Hotel Spector" wurden weiter unter Bewachung gehalten, da man annahm, dass sich einige Teilnehmer an der Schlägerei in dieses letztere Hotel geflüchtet haben könnten. Der Polizeikommissar Mohammed Effendi drang mit seinen Leuten auch in das „Hotel Spector" ein. nahm aber dort keine Verhaftungen vor. Unmittelbar danach hörte man Schüsse au3 der Richtung des „Hotel Spector", und man sah einen Gendarmerieoffizier Daoud Effendi mit dem Revolver in der Faust, gefolgt von Polizisten und Soldaten durch eine Hintertür in das Haus eindringen. Mit ihm kamen noch fünf Araber, ebenfalls mit Revolvern und Stöcken bewaffnet. Die Eindringlinge hieben und schössen, zerschlugen die Lampen und richteten in dem Hotel eine fürchterliche Verwüstung an. Um die Spuren zu verdecken, gössen sie Petroleum auf die Erde und versuchten das Hotel in Brand zu stecken. Dreizehn Juden wurden dabei zum Teil schwer verwundet und liegen nun im jüdischen Hospital. Bei der ganzen Affäre spielt ein Marokkaner, Derwisch Fassir, eine eigentümliche Rolle, indem er auts Geratewohl Juden bei dem Polizeikommissar denunzierte. Allerdings wurde ihm nicht immer Glauben geschenkt, aber doch scheint es, dass er nicht zuletzt der Schuldige an dem ganzen Vorkommnis ist. Die Hauptverautwortun^ für die Vorgänge fällt zweifellos auf den K aimakam (Distriktskommissar) von Jaffa, Assaf Bey, der seit längerer Zeit eine überaus feindselige Stinm ung gegen die Juden an den Tag legt. Noch nicht ganz aufgeklärt ist auch die Haltung des russischen Konsuls, der die Gendarmen veranlasst haben soll, den zweiten Eingang des „Hotel Spector" zu besetzen, und der auch als erster bekundete, dass die in der Nähe gehörten Schüsse von Juden aus dem Hotel heraus abgegeben worden seien. Die Bevölkerung, auch d;e arabische, ist vollkommen ruhig, und es herrscht allgemein die Ueberzeugung, dass nur der Kaimakam fähig war, die Araber zu dem Angriff auf die Juden anzustiften. Zweifellos wird die Regierung in Konstantinopel energische Schritte tun, um einer Wiederholung dieses in der Türkei einzigartigen Vorkommnisses vorzubeugen. Ausser in den beiden jüdisch-russischen Hotels wurde übrigens auch noch auf zwei andere Häuser geschossen, darunter das Haus eines französischen Staatsangehörigen, namens Buscella Unter d.n Verwundeten befindet sich auch ein amerikanischer Jude. Es war bisher ein Ruhmestitel der Türkei, dass innerhalb ihrer Grenzen gerade die überall verfolgten Juden sich der vollkommensten Sicherheit erfreuen durften. Um so bedauerlicher sind die erwähnten Vorgänge, deren baldige Aufklärung und Sühne allerdings zu erwarten is*. £♦ %mkrf Scblölfermeffler

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.