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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 Ein Vorstoss gegen die 'Rechtsgleichheit. Der Budgetausschuss des Abgeordnetenhauses hat der Regierung den Auftrag erteilt, den Zutritt der Juden zu den Mittelschulen zu beschränken. Der diesbezügliche, mit Zweidrittelmehrheit angenommene Antrag des Gymnasialprofessors Abg. S c h m i d lautet allerdings nicht so klipp und klar. Er umschreibt die Sache ein wenig, um das frivole Attentat auf Verfassung und Rechtsgleichheit harmloser erscheinen zu lassen. Die schmähliche Rolle, welche hiebei die sogenannten „Deutschfreiheitlichen" spielten, und die Mattherzigkeit, welche die Regierung bewies, werden durch den nachfolgenden Bericht beleuchtet. Die christlichsozialen Blätter kündigen an, dass nach Ostern auch der Gemeinderat der Stadt Wien einen gleichen Antrag beschliessen werde. Der Feldzug gegen die konfessionelle Gleichberechtigung wird also auf allen Linien eröffnet. Wir haben diesen Kampf nicht gesucht, aber wenn man uns denselben aufzwingt, werden wir ihn mit dem Aufgebot unserer äussersten Kraft führen. Protestversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union". In einer überaus eindrucksvollen und würdigen Kundgebung hat die „Oesterreichisch-Israelitische Union" am 13. d. M. den vom Budgetausschusse des Abgeordnetenhauses versuchten Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Juden zurückgewiesen. Der grosse Saal des „Hotel Guth" reichte nicht aus, um die Zahl aller erschienenen Versammlungsteilnehmer zu fassen, und viele der später Kommenden fanden keinen Einlass mehr. Unter den Anwesenden befanden sich die Reichsratsabgeordneten: Freiherr von Hock, Hofrat Kuranda, Dr. M a h 1 e r und Doktor Ofner. Von den Abgeordneten Dr. S t r a u c h e r und Doktor Adolf Gross waren ZustimmungsTlepeschen eingelangt. Ferner bemerkte man den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, mit zahlreichen Mitgliedern des Kultusvorstandes, den Präsidenten der Bielitzer Kultusgemeinde, kaiserl. Rat P o 11 a k, die Gemeinderäte Dr. Hein und K1 eb i n d e r, die Bezirksräte Melcher, Neustadtl und Doktor Sumuely, den Vertreter des „Abwehrvereines" Oberinspektor Engel u. v. A. Zustimmungserklärungen waren von mehr als 90 Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche, darunter jenen der Landeshauptstädte Prag, Brünn, Olmütz, Lemberg, Krakau, Czernowitz, Graz und Linz, ferner von der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen und vom „Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" in Prag eingelangt, deren Verlesung lebhaft akklamiert wurde.

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