Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch - Israelitischen Union. Nr. 3. Wien, März 1908. 20. Jahrgang. Die Jaden In Mährend Von Dr. Theodor Haas in Brünn. 1. Von der Erfassung* des Toleranz-Patentes bis zur Emanzipation (1872—1848). Rechtsstellung. Der erste österreichische Regent, welcher sich bei Regelung der Juden frage von höheren sittlichen und menschlichen Grundsätzen leiten Hess, war Kaiser Josef II. Insbesondere die Heranbildung der jüdischen Jugend lag dem Kaiser sehr am Herzen. Mit Hofdekret vom 19. Oktober 1781 wurde den Juden das Erlernen von Handwerken, Künsten und Wissenschaften, sowie der Betrieb des Ackerbaues, wpnn auch unter Beschränkungen, gestattet; es öffneten sich ihnen die bis dahin gänzlich verschlossenen Pforten der Universitäten und Akademien. Eine Verordnung vom 2. November 1781 verfügte, dass die Juden allenthalben als „Nebenmenschen" geachtet und alle Exzesse gegen sie vermieden werden sollten; die Juden sollten sich aber auch allenthalben als rechtschaffene Bürger betragen. Er hob den Leibzoll auf, ferner die doppelten Gerichtstaxen der Juden, den Passierschein, die Nachtzettel und alle ähnlichen die Juden besonders bedrückenden Abgaben. Ein Dekret vom 19. Dezember 1781 bestimmt, dass die Juden den christlichen Ansassen gleich gehalten werden sollten, und mit Toleranz-Patent vom 13. Februar 1782 wurde ihre offizielle „Duldung" (Tolerierung) proklamiert. Völlige Einbürgerung der Juden beabsichtigte Josef II. trotzdem nicht, denn es blieb ihnen auch nachher verboten, in solchen Städten zu wohnen, von welchen die Unduldsamkeit ihrer christlichen Mitbürger sie ausgeschlossen hatte. Die Anzahl der tolerierten jüdischen Familien wurde jedoch erhöht, und zwar von 5106 auf 5400 (Patent vom 17. November 1787). Auch die Bewilligung der politischen Behörde (des Kreisamtes) zur Eingehung einer Ehe musste weiterhin ein- ') Mit Genehmigung des Verfassers und Verlegers bringen wir einige Stellen aus dem eben erschienenen Buche von Dr. Theodor Haas: »Die Juden in Mähren«, Brünn 1908 (Jüdischer Buch- und Kunstverlag), auszugsweise zum Ausdruck. Die Bedaktion. 1