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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 31

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 31 (sequence 34)
Language
German
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31 Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Aus dem Kloster der Felicianerlnnen. Die Fälle der Entführung jüdischer Mädchen in das Kloster der Felicianerinnen zu Krakau mehren sich wieder in auffälliger Weise. Vor zwei Monaten ist die 16jährige Rosa Rusinek aus dem Elternhause in Dabrowa (Bezirk Tarnow) entführt worden und befindet sich seither in dem genannten Kloster. Ihren Eltern blieb dieser Aufenthaltsort unbekannt, da das Kloster sich nicht veranlasst fand, den Angehörigen des minderjährigen Mädchens eine Verständigung zukommen zu lassen. Als vor drei Wochen ein Verwandter der Entführten im Felicianerinnenkloster anfragte, ob Rosa Rusinek sich daselbst befinde, erhielt er eine verneiiende Antwort, obwohl am 2. d. M. polizeilich konstatiert wurde, dass das Mädchen sich schon seit zwei Monaten dort aufhalte. Vor einigen Tagen erfuhren die Eltern, dass ihre Tochter in das Felicianerinnenkloster gebracht worden sei, und baten die Oberin um die Bewilligung einer Zusammenkunft mit ihrem Kinde. Da die Oberin diese Zusammenkunft verweigerte, bewilligte die Krakauer Polizei auf Grund einer Eingabe zwangsweise ein Wiedersehen des Mädchens mit ihren Verwandten. Am 2. d. M. begaben sich ein Polizeikommissär mit dem Krakauer Advokaten Dr. Raphael Landau als Vertreter der Eltern und zwei Verwandte des Mädchens in das Kloster. Die Unterredung fand in Gegenwart zweier Klosterschwestern statt und das Mädchen war von den Besuchern durch eine Barriere getrennt. Rosa Rusinek erklärte bei dieser Unterredung, sie wolle das Kloster der Felicianerinnen nicht verlassen und wolle sich taufen. Die Eltern werden nunmehr die gerichtlichen Schritte einleiten, um die zwangsweise Uebergabe des Mädchens zu erlangen. Der minderjährigen Lea Gänger, von deren gesetzwidrigen Zurückhaltung im Kloster der Felicianerinnen wir vor kurzem berichteten, ist es gelungen, das Kloster heimlich zu verlassen und zu ihrer Mutter zurückzukehren. Die Oberin hat nuu ihrerseits eine Anzeige wegen Entführung (!) erstattet. Es wäre wohl an der Zeit, dass die Justizverwaltung sich mit den Vorgängen im Krakauer Kloster der Felicianerinnen und namentlich mit der Frage, warum so viele jüdische Mädchen gerade in dieses Kloster entführt werden, eingehender beschäftige. '* * * Am 21. d. M. erschien Lea Gänger aus Ozchöw, die vor einigen Tagen aus dem Kloster entflohen ist, bei Herrn Doktor Landau in Krakau und deponierte folgendes: Die in einigen antisemitischen Blättern enthaltene Mitteilung, dass Lea Gänger

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