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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 29

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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29 Irrtümer, die beklagt zu werden verdienen,4) wo jedoch blindwütiger Rassenhass an der Bibel herumpfuscht, brütet er Nichtswürdigkeiten aus, die geradezu zur Verachtung zwingen. Wie weit sich ein böser Wille verrennen kann, zeigen folgende Aeusserungen des Instinkthelden: „Erst nach der babylonischen Gefangenschaft künstelte man nämlich den spezifisch jüdischen Charakter in die Bibel hinein, indem ganze Bücher erfunden und Moses zugeschrieben wurden und indem häufig Vers für Vers Interpolationen und Korrekturen die freiere Anschauung Altisraels verwischten und durch den engen jerusalemischen Jahvekultus ersetzten, als habe dieser von jeher infolge göttlicher Satzung bestanden." „Die Fata Morgana der urväterlichen Wüste zaubert diesem Halbsemiten süssen Trost für die Tragik seines Schicksals vor, einen luftigen betrügerischen Trost, doch durch die Gewalt des Willens, genannt Glaube, eine genügende, für andere oft gar gefährliche Lebenskraft. Hier triumphiert die Macht der Idee in einer erschreckenden Weise, in einem gut beanlagten, doch weder physisch noch geistig ungewöhnlich hervorragenden Volke erzeugt sie den Wahn einer besonderen Auserwähltheit, einer besonderen Gottgefälligkeit, einer unvergleichlichen Zukunft, sie schliesst es in tollem Hochmut von sämtlichen Nationen der Erde ab, zwingt ihm ein geistloses unvernünftiges, in der Praxis gar nicht durchführbares Gesetz als ein gottgegebenes auf, nährt es mit erlogenen Erinnerungen und wiegt es mit verbrecherischen Hoffnungen." Anmassender Unsinn! Ein Stockblinder will auf Wahrnehmungen von B'arbenblinden gestützt über Farbentöne belehren. Wie kann ein Mensch, der in punkto Gerechtigkeit, Wahrheitstreue, Mitleid, Erbarmen und Humanität so viel zu wünschen übrig lässt, für den Lehrstoff, der unsere Psalmisten und Spruchdichter mächtig angeregt und die .Propheten begeistert hat, irgend welches Verständnis haben? Der Mann glaubt unserer Thora mit zündenden Phrasen beikommen zu können, seine Ungezogenheiten verfangen nicht, denn strahlend fliegen die Lettern auf und zeigen die volle Erbärmlichkeit seines Beginnens. Schon die Namen vieler Personen des aus Egypten gezogenen Geschlechtes zeigen für eine damals stattgefundene national-religiöse Freiheitsbewegung. Leopold Mandl. 4) Wir können das Thema nicht mit der nötigen Ausführlichkeit behandeln; viel Vorzügliches bietet darüber Jüdische Apologetik von Herrn Dr. Moritz Güdemann.

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