Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 Zuschriften aus Hitgliederkreisen. Wir erhalten folgende Zuschrift : Wien, 28. Jänner 1907. P. T. Oester reichisch- Israelitische Union Wien! Lassen Sie mich Ihnen, den berufenen Wortführern, d i e Organisierung der Wiener Judenschaft ganz besondeis ans Herz legen. Niemals hätte die Bedrückung, Vergewaltigung und Entrechtung unserer Glaubensgenossen solche Dimensionen erreichen dürfen — in der Residenz des Reiches kann ein Jude nicht einmal Strassenkehrer werden! —, niemals dürfte sich ein Bezirksschulrat die beschämend anmassende Frozzelei, wie die Ausschulung jüdischer Kinder im ersten Bezirke, erlauben, ohne auf den energischesten Widerstand der gesamten Judenschaft zu stossen, wenn wir nicht in Ermanglung einer jeden Organisation alles fatalistisch über uns ergehen Hessen! Und wie ganz anders könnten unsere wenigen Vertreter im Reichsrat, im Landtag und Gemeinderat auftreten, zur Wahrung unserer bürgerlichen Rechte vorgehen, wenn sie eine organisierte Wählerschaft hinter sich wüssten? In unserem Zeitalter der Organisationen aller Bevölkerungsklassen nach Berufen, nationalen, politischen und konfessionellen Glaubensbekenntnissen — haben sich doch die Wiener Altkatholiken als Wählerverein organisiert, eine verschwindende Minderheit! — laufen nur wir Wiener Juden, nahezu zehn Perzent der Bevölkerung, allen Berufen und Klassen angehörend, an Bildung, Intelligenz und sonstigen Bürgertugenden den andersgläubigen Mitbürgern mindestens ebenbürtig, plan- und ziellos herum, eine Beute bezahlter Volksverführer, zum mitleidigen Spott unserer Freunde und selbst unserer auswärtigen Glaubensgenossen, was Schreiber dieses unzähligemale erfahren musste. Und doch waren wir Juden niemals Fatalisten, unser Gottvertrauen hat uns noch allezeit davor bewahrt und, Sie dürfen es mir glauben, nur unsere Gleichgiltigkeit ermutigt die Gegner zu den gewagtesten Herausforderungen. Als politische Organisation wären wir eine Macht, ein Faktor, mit dem Freund und Gegner rechnen müssten, hätten entscheidenden Einfluss auf Wahlen und Kandidaten. Eine organisierte Wählerschaft wäre vom Gegner gefürchtet, von Freunden umworben, ja, es würde sich herausstellen — und das ist meine feste Ueberzeugung — dass wir nicht bloss Gesetz und Recht, sondern die wohlwollende Sympathie weiter Kreise auf unserer