Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 10 (10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 lässlichkeit jüdisch-statistischer Eihebungen fast von sämtlichen jüdischen Organisationen und hervorragenden Gemeinden anerkannt. Demzufolge wurden dem Verband für Statistik Jahressubventionen bewilligt und von manchen Organisationen Vertreter in das Kuratorium des Verbandes entsandt. Zu den Körperschaften, die schon in den früheren Jahren den Verband lür Statistik durch Jahresbeiträge oder Ankauf einer grösseren Anzahl von Publikationen subventionierten: Jewish Colonisation Association, Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Grossloge und mehrere Einzellogen des U. 0 Bnei Brith, Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Gesellschaft zur Fördemng der Wissenschaft des Judentums, Jüdische Gemeinde von Berlin, Breslau und Posen, traten neuerdings hinzu: Deutsche Konfeienzgemeinschaft der Alliantfe Israelite Universelle mit einem Jahresbeitrag von 200 Mk. und einer einmaligen Subvention von 1000 Mk.; Hilfsverein deutscher Juden mit einem Jahresbeitrag von 500 Mk.; mit Jahresbeiträgen von 200 Mk. die jüdischen Gemeinden in Frankfurt, Hamburg, Wien; mit Jahresbeit)ägen von 100 Mk : die jüdischen Gemeinden in Danzig, Stettin, Kassel, Köln; mit Jahiesbeitiägen unter 100 Mk.: die jüdischen Gemeinden in Hannover, Beuthen, Aachen, Wiesbaden, Mainz, Gleiwitz, Elberfeld, Kattowitz. Als Vertreter der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelles ist Geh Kommerzienrat Goldberger in das Kuratorium des Verbandes eingetreten. Auch der Hilfsverein deutscher Juden wird durch ein Vorstandsmitglied im Kuratorium vertreten sein. Der Vorstand des Verbandes hat eine Kommission für wissenschaftliche Arbeiten gebildet, deren Vorsitz der bekannte Statistiker Dr. Julius Rothholz übernommen hat, daneben eine Kommission für Propaganda, an deren Spitze Herr Richard Cassel steht Ferner hat der Vorstand Herrn Dr. Bernhard Kahn, Sekretär des Hilfsvereines deutscher Juden, als Mitglied kooptiert. Dresden. (Pogrom und Meuterei in Sibirien.) Eine junge Dame aus Asch, die seit einem Jahre in Irkutsk bei der Familie des dortigen Advokaten Turitschew als Sprachlehrerin der Kinder angestellt war und am Samstag wieder in ihrer Heimat eintraf, erzählt wie der ,.Vogtländische Anzeiger" mitteilt, von furchtbaren Ereignissen, deren Schauplatz die sibirischen Städte Irkutsk und Tomsk waren. Es liegen daiüber bisher keine Nachrichten ausserhalb Sibiriens vor. Es scheint überhaupt, so meint das Fräulein, dass eine telegraphische Verbindung zwischen Zential-Russland und Sibirien nicht mehr besteht oder dass die Zensur keinerlei Meldungen durchlässt. Nur einmal lasen wir über Judenverfolgungen in Tomsk. In Wirklichkeit aber handelt es sich in Tomsk um ein grässliches Blutbad. An dem Pogrom, der an einem Freitag Nachmittag ausbrach, beteiligten sich auch die Kalmücken, Bucharen und Ostjaken. Die Metzelei war schrecklich. In den Abendstunden wurden mehr als 400 Juden, darunter viele Frauen, in ein Gebäude einer grossen Seifensiederei getrieben, das Gebäude sodann versperrt und an mehreren Stellen zugleich angezündet. Alle kamen in den Flammen um. Viele sprangen durch die Fenster ins Freie, winden aber sofort niedergemetzelt. Die Ermordung einzelner Personen ist hier an der Tagesordnung und fällt gar nicht auf. Wenige Tage vor der Abreise der Dane von Irkutsk ar unter der dortigen Garnison eine grosse Meuterei ausgebrochen. Am Ifi. September wurde zwischen den meuternden und den getreuen Tiuppeu gekämpft. Die Meuterer wurden noch am selben Tage niedergeworfen und schon am anderen Morgen wurde an 41 Rädelsführern das Todesurteil vollstreckt. Die Veruiteilten, unter denen sich sieben Offiziere befanden, winden in fünf Gtuppen anein andergefesselt, niedergeschossen und sogleich in dem reissenden Angara versenkt. Mehrere der Delinquenten wurden noch lebend mit den Toten zugleich über den Damm geschleift und in die Fluten geworfen.