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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-10-01 · 10 (10.1906) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
10 (10.1906)
Date
1906-10-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 gesprochen. Nur bei Juden ist nicht die leiseste Spur einer Anerkennung zu finden, ja im Talmud wird sein Andenken auf das Unflätigste verunglimpft. Wir Juden müssen darauf folgendes antworten: Seit 1900 Jahren wurde und wird der Name Christi missbraucht, um uns zu peinigen und totzuschlagen, das einzig menschenwürdige , womit wir antworten können , ist unser Schweigen. Wenn in uralter Zeit den Juden in ihrem Ingrimme über die erlittenen unmenschlichen Leiden unflätige Beschimpfungen entschlüpften, so war das Verzweiflung, nicht Gemütsrotieit. Gemütsroji waren und sind unsere Peiniger. Diese zwei Vorwürfe sind übrigens schon sehr alt. Neu ist der Vorwurf, dass die Juden an der Messiasidee festhalten, und diese Idee nichts anderes sei als die Idee dar Weltbeherrschung. Ich trug einst einen polnischen Rabbi, wie er sich den Messias vorstelle; ich erhielt zur Antwort, es gebe keinen Messias in Israel. Dis soll im Talmud stehen. (Ich persönlich weiss es nicht, ich habe Talmud nicht gelernt.) Nichtsdestoweniger steht fest, dass der Jude den Messias erwartet, und zwar, so viel ich mich aus meinen Kinderjahren erinnere, wird von ihm erwartet, dass er uns von unseren Leiden erlösen wird, dass Gott, sagen wir dreist, „unser" Gott über allen zu einem Brudervolke vereinten Menschen in erhabenem Glänze erstrahlen wird und dass wir dann den Lohn für unsere Ausdauer, unsere Treue und unser Martyrium empfangen werden. Das ist unser Messiasglaube, den wir uns nicht nehmen lassen, komme, was da wolle; was sonst von gelehrten und ungelehrten Nicdtjuden hinzugefügt wird, ist Vorurteil, Aberglaube oder dreiste Lüge. ~Seit unvordenklichen Zeiten wurden uns intra und extra moenia unsere Fehler vorgehalten. Chamberlain gesteht selber, dass wir unsere Fehler nie verhehlt haben, dass dieselben in unseren Schriften klar und deutlich verzeichnet worden sind. Die Ehrfurcht, die wir Moses und den Propheten zollen, sind Beweis dafür, dass wir allen jenen, die uns väterlich gegeisselt haben, dankbar sind. Dies sollte ein Gelehrter wie Chamberlain beherzigen. Wer jedoch Hass sät, wird keine Liebe ernten. Üibe ch zuviel gesagt? Ich wollte nur mein Herz erleichii'ü, m-nu Gewissen beruhigen, dafür, dass ich einen Augenblick Gefahr lief, den Argumenten Chimberlains zu erliegen. Dr. Isidor Daniel, Advokat in Wadowice (Galizien).

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