Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Sämtliche Gutachten stammen von englischen Schriftstellern, mit Ausnahme eines einzigen, dessen Verfasser der Ungar Armin Vämbery ist. Professor Vämbery gibt vor allem Aufschlüsse über die Vorgeschichte der so grosses Aufsehen erregenden Audienz Dr. Herzls beim Sultan. „Es war", erzählt er, „ein langer Kampf und eine schwere Arbeit, bevor es mir gelang, die Besorgnisse des im höchsten Grade misstrauischen Herrschers der Türkei zu zerstreuen und die gegen mich gerichteten geheimen Machinationen zu durchkreuzen. Dem Sultan wurde in die Ohren geflüstert, dass mein Vorschlag einem geheimen Anschlag auf seine Machtstellung in Palästina gleichkäme und dass die reiche Judenschaft Europas und Amerikas es darauf abgesehen habe, das den Christen und Mohammedanern gleich teure Land an sich zu reissen." Nun berichtet Professor Vämbery, wie es ihm endlich gelang, Dr. Herzl beim Sultan doch einzuführen. „Leider aber", ruft Professor Vämbery resigniert aus, „hat mich mein von allem Anfang an bekundeter Pessimismus nicht getäuscht, das Endergebnis der Herzl'schen Intervention war ein vollständiger Misserfolg. Der Sultan war wohl geneigt, jüdische Kolonisten nach Mesopotamien zuzulassen, aber für die Frage eines Privilegienbriefes von längerer Dauer, für die Etablierung von jüdischen Kolonien in grossem Masstabe — Pläne, für die sich Dr. Herzl besonders exponierte — hatte der Sultan stets nur ein taubes Ohr." Die Aversion der Türkei gegen die Verwirklichung der zionistischen Idee hat nach Professor Vämbery mehrere Gründe. Vor allem fürchtet der Sultan diplomatische Komplikationen, die sich daraus ergeben könnten, dass sich die jüdischen Kolonisten — ebenso wie dies heute die christlichen Bewohner, besonders in Armenien tun — wegen der türkischen Misswirtschaft bei den ausländischen diplomatischen Vertretern beschweren könnten. Andererseits ist Palästina nicht ödes, herrenloses Land, sondern von Arabern, Türken und Christen bewohnt, sodass im Falle der Etablierung der jüdisen Kolonien die heutigen Einwohner verdrängt werden müssten. Endlich sind auch Hindernisse religiöser Natur vorhanden. „Ich gebe gerne zu", sagt Professor Vämbery, „dass die Idee, die Kinder Israels um Zion zu vereinen, einen jüdischen Staat zu schaffen, gewiss sehr poetisch und sehr stolz ist, und ich verstehe vollkommen den Enthusiasmus, welchen diese Idee in den Herzen der armen, geknechteten und misshandelten Juden zu erregen vermag. Doch wir sollen der Schwierigkeiten eingedenk sein, und anstatt Luftschlössern nachzujagen, wäre es im Interesse des grausam verfolgten Teiles der Judenschaft viel nützlicher, wenn wir den praktisch durchführbaren Plan der „Ito" adoptieren würden, der wohl arm an poetischen Attributen ist, jedoch die Lösung der Judenfrage um ein ganz Bedeutendes vorwärts bringen würde". Aehnlich wie das Gutachten Professor Vämberys klingen auch die übrigen, die Zangwill im Kähmen seiner „Fortnightly 2*