Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gendarmerieoffizier in Zivilkleidung Namens Komisarow delegiert, welcher mit einigen Gehilfen diese Proklamationen verbreitete. Das Geheimnis der Existenz einer geheimen Druckerei war so gut bewahrt und die Tätigkeit der Organisatoren war derart verschwörerisch, dass nicht das Ministerium, dass niemand davon wusste, dass auch im Polizei- Departement selbst sehrwenigedavonKenntnis hatten. Die Arbeit dieser Kompagnie war augenscheinlich von Erfolg begleitet, denn als jemand, der zufällig auf die Spur der Organisation kam, den Kommissär darüber befragte, gab dieser zur Antwort: „Wir machen einen Pogrom, wie wir ihn haben wollen. Wenn wir wollen, auf 10 Leute, und wenn es uns gefällt, auf 10.000." Meine Herren, sagte Fürst Urussow, das ist ein historisches Wort. Ich bringe den Herren Duma-Abgeordneten zur Kenntnis, dass in Kiew für den 16. Februar ein Pogrom „für 1 0.0 0 0" bestimmt war. Es ist aber gelungen, dem Ünglück vorzubeugen. Als der Ministerpräside nt von diesen Tatsachen erfuhr, bekam er seine ersten asthmatischen Anfälle. Er berief den Komisarew zu sich, welcher ihmRapport über seine Tätigkeit und seine Vollmachten erstattete. Nach einigen Stunden verschwanden aus dem Polizei-Departement die Druckpresse, die Proklamationen. Es blieb ein leeres Zimmer. Fürst Urussow fügt hinzu, dass niemand, auch nicht der Minister des Innern, imstande sein wird, dem Wunsche der Duma zu entsprechen und die Namen derjenigen anzugeben, welche diese verbrecherischen Organisationen ins Leben gerufen, ihnen Straflosigkeit zugesichert und den P o 1 i z e ib e a m t e n und anderen Avancements und ßeloh-* nungen hiefür gewährten. Die Hauptorganisatoren befinden sich ausserhalb des Wirkungskreises des Ministeriums. Ihnen ist es alles eins, ob der Minister eine wohlwollende Neutralität beobachtet oder ob er ihre Tätigkeit verdammt. Kein Ministerium, auch nicht ein solches aus der D u m a - M a j o r i t ä t, sei imstande, die Ordnung herzustellen, so lange die Unbekannten, die abseits hinter einer undurchdringlichen Mauer stehen, sichmitder Vivisektion lebender Menschen befassen. Er schloss seine Rede mit der Erklärung, dass alle Duma-Abgeordneten spüren, dass dieselben dunklen Mächte ein Attentat gegen die Duma vorbereiten. Im Lande werde keine Ruhe eintreten, bis nicht die Verbindung der dunklen Mächte mit dem Staatsmechanismus aufgehoben wird. *