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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1906) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 sprochen! Ein universell gebildeter Mann, ein angeblicher Demokrat, ein Erbe hussitischer Grundsätze, der Abgeordnete Kramarsch, hat in den Delegationen sein Mitgefühl für die unschuldigen Opfer der offiziellen russischen Massenmörder zum Ausdruck gebracht. Aber wie er dies tat, ist bezeichnend für die vergiftenden Wirkungen des Antisemitismus auf die Anschauungen selbst der gebildeten christlichen Welt. Herr Kramarsch sagte, dass die Juden die an ihnen begangenen Scheusslichkeiten selbst verschulden, weil sie in den ersten Eeilien der Kevolutionäre stehen, dass sie Sturm ernten, weil sie Wind säen. Es ist überflüssig, gegen diesen Standpunkt des Herrn Kramarsch zu polemisieren oder sich gar darob zu entrüsten. Das Polizeigehirn des Dr. Kramarsch wird es ja nie verstehen, dass die jüdische Jugend Kusslands sich nicht wehr- und willenlos abwürgen lassen will, dass diese namenlos geknechteten, zertretenen Menschen ihre einzige Hoflnung auf den Sieg jener Eevolution richten müssen, die heute bereits vom Adel und von den Bauern, von den Offizieren und Beamten, von der ganzen bürgerlichen Gesellschaft, vom gesamten russischen Volke gemacht wird. Herr Kramarsch ist kein Antisemit, wie er versichert, aber das hat ihn nicht gehindert, der Ritualmordhetze in Böhmen ruhig zuzusehen, das hindert ihn nicht, den Henkern des Zaren Argumente zu ihrer Entschuldigung zu liefern. Dieser Herr, der die Polizei ins österreichische Parlament führte, hat seinen Beruf verfehlt. Er hätte Kosakenführer oder Jesuitengeneral werden sollen. Für uns Juden ist sein Auftreten allerdings überaus lehrreich. Er ist ein Typus, er repräsentiert jene feige, heuchlerische Masse des gebildeten Bürgertums, die zwar den Antisemitismus „im Prinzipe" verurteilt, aus demselben aber jeden nur möglichen Nutzen ziehen will. Auf die Hilfe dieser Art von „Freisinnigen" zu hoffen, wäre eitel Wahnsinn. Herr Kramarsch ist nur eine neue Probe auf die Richtigkeit des Satzes, dass das Judentum nur auf seine eigene Kraft vertrauen und sich selbst helfen kann! S. F. * * * Das Verdammungsurteil der Duma. Der Bericht der Duma über die Metzeleien in Bialystok gipfelt nach dem Referat des Abg. Schtschepkin (Odessa) in folgenden Punkten: 1. Es steht fest, dass General Bogajewski und der Chef des Stabes der 16. Infanteriedivision schon am 1. Juni den Polizeimeister Radezki und den Gouverneur Küster von der Verwaltung der Stadt entfernt haben, während der Kriegszustand erst nach der Judenhetze verhängt worden ist. Dieses beweist, dass die Judenhetze provokatorisch organisiert war, und belastet die Militärobrigkeit, ohne die Zivilbehörden zu entlasten. 2. Es ist festgestellt, dass die Truppen nur selten am Rauben teilgenommen haben. Doch sind einzelne Fälle registriert. 1*

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