Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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29» Stadtkapitän und der erlauchte Herr Stadtprätor bei seinem Geständniss zugegen seien. Sodann hiessen der Kapitän und der Präfekt alle Anwesenden .die Folterkammer verlassen, und nun erklärte Samuel, wie der Herr Kapitän mir dem Notar nachher berichtet hat, „er wolle die Wahrheit sagen unter der Bedingung, dass der Kapitän und der Präfekt ihm versprächen, ihn verbrennen und nicht eines anderen Todes sterben zu lassen." Dieser Ausschluss der Oeffentlichkeit war offenbar ein Tric, ein Akt blutgieriger Willkür. Denn Samuel, der, nun seit zweieinhalb Monaten unsagbar gemartert, den einzigen Wunsch hegt, lebendig verbrannt zu werden, Samuel erklärt vor den in die Folterkammer zurückgerufenen Beisitzern nur, er wolle die Wahrheit sagen. Anstatt ihn nun zu verhören, vielmehr sein Geständnis, das er doch angeblich in Gegenwart der Beiden abgelegt hat, wiederholen zu lassen, bringt man ihn in das Haus des Stadtkapitäns. Dort soll Samuel, auf einer Art Katheder sitzend, alles gestanden haben. Was muss sich dort, den Augen anderer Zeugen entzogen, abgespielt haben, wenn dieser Märtyrer der Wahrheit alles bestätigt haben soll, was seine Peiniger ihm in den Mund legten. Am 21. Juni ward der Arme endlich durch den Flammentod von seinen Leiden erlöst. Ganz ähnlich erging es den anderen Gefangenen. Ein 80jähriger Greis, Moses, leugnete nach all den Qualen noch am 8. Juni hartnäckig, erst am 10. Juni gestand auch er alles, was man von ihm verlangte. Am 19. Juni wurde er im Kerker tot aufgefunden, sei es, so sagen die Akten, dass ihm Freunde Gift geliefert oder infolge der Folterqualen oder dass er sich selbst entleibt. Sein Leichnam wurde verbrannt. Am 21. und 22. Juni starben sechs andere Juden auf dem Scheiterhaufen. So lesen wir in den Protokollen, die bereits zu Gunsten der Henker gefärbt sind. Wie mag nun erst die Wirklichkeit sich dargestellt haben! Und alle diese Verurteilungen erfolgten auf Grund von „Geständnissen", welche die Unglücklichen auf der Folter „abgelegt" haben sollen. Die Vorgänge in Trient hatten naturgemäss ein ungeheures Aufsehen hervorgerufen. Ueberall wurden die Juden auf das Ernsteste bedroht. Bereits im April 1475 hatte Herzog Siegmund von Tirol dem Bischof Hinderbach die Einstellung des Prozesses befohlen, wahrscheinlich auf Anregung des Kaisers; denn der Bischof beschwert sich über Beide gar bitterlich in einem Briefe an einen Dichterling, der den Simon von Trient in einer Hymne gefeiert hatte. Am 22. und 28. April weist der Doge von Venedig Pietro Mocenigo die Behörden von Padua und Friaul strengstens zum Schutze* der bedrohten Juden an. Er erklärt die ganze Mär von Simon von Trient für eine Lüge und einen infamen Knfff, zu welchem Zwecke, könne man leicht einsehen und erklären. Aber auf Anregung des Stadtkapitäns von Trient befiehlt der apostolische-