Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Floridsdorf, Josef Bondy in Dobfis, Hermann Low in Colloredow, Leopold Weigner in Steyr, Dr. A. Kohn in Rumburg, Josef Kafka, Graziano Melli in Triest, Arthur Eiesenfeld in Bielitz, Leopold Rittermann und Friedrich Ka/ka in Strakonitz. Die geehrte Generalversammlung hat durch Erheben von den Sitzen das Andenken der Verstorbenen geehrt, und wir erbitten uns die Ermächtigung, diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleiben zu dürfen. Schliesslich gereicht es uns zur angenehmen Pflicht, allen Beiräten und Vertrauensmännern der „Oesterreichisch-Israelitischen Union", ferner den Anwälten und Abgeordneten, welche in selbstloser Weise unsere gemeinnützigen Bestrebungen gefördert haben, endlich der Presse unseren innigsten Dank auszusprechen. Geehrte Generalversammlung! In dem vorstehenden Berichte haben wir eine wichtige politische Aktion unseres Vereines nicht erwähnt. Es ist dies die grosse Protestversammlung der Wiener Judenschaft vom 19. November 1905 gegen die russischen Judenmassakres, an welcher sich die „Oesterreichisch-Israelitische Union" führend beteiligt hat. Wir stellen die Erwähnung dieser grossartigen Manifestation an den Schluss unseres Eechenschaftsberichtes, weil in den letzten Tagen ein Ereignis eingetreten ist, das im engsten Zusammenhange mit jener Protest- und Trauerkundgebung besprochen werden muss. Die flammende Anklage, welche damals der Oberrabbiner Wiens gegen die russische Regierung erhob, die feierliche Versicherung des Redners der Union, dass wir durch unser Mitgefühl den Tausenden Unglücklicher den festen Glauben an die Menschheit wiedergeben wollen, die ergreifenden Worte aus dem Schreiben eines hervorragenden russischen Gelehrten : „Fluch dem Lande, das ein solches Volk hervorgebracht, Fluch der Regierung, die ein solches Volk gezüchtet hat", vermochten es nicht zu hindern, dass Wiener jüdische Finanzmänner unter Führung eines Mitgliedes des Wiener Kultusvorstandes zu dem Abschlüsse der jüngsten russischen Anleihe die Hand boten und eine Beteiligung des österreichischen Kapitals an dieser Anleihe vermittelten. Sie haben hiedurch der russischen Regierung die Mittel verschafft, neue Kanonen und Gewehre zur Unterdrückung der Freiheitsbewegung und der Juden zu bestellen. In der Resolution, welche die viertausendköpfige Versammlung vom 19. November beschloss, hiess es: „Gegen diese Scheusslichkeit appellieren wir an das Herz der ganzen zivilisierten Menschheit, wir appellieren an das öffentliche Gewissen aller Kulturnationen! Wir erklären, dass wir uns mit unseren leidenden Brüdern eines fühlen und alle Bestrebungen tatkräftig unterstützen wollen, welche geeignet sind, ihnen eine menschenwürdige Zukunft zu sichern."