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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-01-01 · 1 (1.1906) · p. [Seite]

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
1 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. _ / ___ _ Nr. I. Wien, Mitte Jänner 1906. 18. Jahrgang. Die Agitation für die jüdische Kurie. Die Aufnahme des Katasterwahlrechtes in die neue mährische Landtagswahlordnung hat in Verbindung mit 1er Reichsratsw7ahlreform eine intensive Agitation der jüdisch-nationalen und zionistischen Gruppen für die Erlangung einer jüdischen Wahlkurie ausgelöst. Die Forderung nach politischer Absonderung der Juden von den nichtjüdischen Staatsbürgern wurde bezeichnender Weise zuerst von den Ruthenen und den Antisemiten deutschnationaler und christlich-sozialer Couleur aufgestellt. Es bedarf nicht der ausdrücklichen Versicherung, dass weder die Einen noch die Anderen damit den Juden eine Wohltat erweisen wollten. Der Abgeordnete Romanczuk, dem in einer jüdisch - nationalen Versammlung begeisterte Ovationen bereitet wurden, hat übrigens ausdrücklich erklärt, dass er den Ruf nach einer Judenkurie nicht aus Liebe zu den Juden, sondern aus Liebe zur Gerechtigkeit erhebe. Man darf ihm das aufs Wort glauben. Von besonderer Judenfreundlichkeit war bisher bei den galizischen Ruthenen nicht viel zu spüren. Die Judenexzesse von Uhnow und Zablotow sind hiefür ein ewig denkwürdiger Beweis. Die „Gerechtigkeit" aber will Herr Romanczuk auch nur für seine Ruthenen. Soweit die Bevölkerungsziffer in Betracht kommt, ist diese Nation in Oesterreich wirklich zurückgesetzt. Die Polen können in Ostgalizien ihre Vorherrschaft nur mit Hilfe der jüdischen Wähler behaupten. Werden diese in eine besondere jüdische Wahlkurie hineingedrängt, dann haben bei ehrlicher Durchführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes die Ruthenen die Oberhand. Ob die Juden damit wirtschaftlich und gesellschaftlich in eine bessere Position gerieten, muss nach den bisherigen Erfahrungen gar sehr bezweifelt werden. — Die Motive, welche die Antisemiten jeglicher Couleur bei ihrem Verlangen nach einer Judenkurie leiten, liegen klar zutage und müssen jeden nüchtern denkenden Politiker zur äussersten Vorsicht mahnen. Seit Jahren rufen die Schönerer und Wolf auf der einen, die Liechtenstein und Schneider auf der anderen Seite vergeblich nach Ausnahmsgesetzen gegen die Juden. Die Ausnahmsstellung, welche den Juden durch eine besondere Wahlkurie zugewiesen würde, wäre die erste Befriedigung des antisemitischen Sehnens und Verlargens. Mit der j LEQ BAECKl 1 INSTITUTE NEW YORK

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