Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 8/9 (August/September 1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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37 grosses Packet . . . Dem Packet entnahm er bäuerliche Kleidungsstücke: grosse Röhrenstiefel, einen grauen Mantel, eine grosse Schafpelzmütze und einen breiten Ledergurt, mit kupfernen Nägeln beschlagen. Der Rabbi legte alle diese Kleidungsstücke an . . Aus der Tasche des Mantels lugte das Ende eines dicken Strickes hervor . . . Und nun verliess der Rabbi das Zimmer; der Litthauer folgte ihm. . . . Im Vorübergehen betrat der Rabbi die Küche, nahm die unter einer Pritsche liegende Hacke, steckte dieselbe hinter den Gurt und trat auf die Gasse. Der Litthauer bebte am ganzen Körper, folgte jedoch unentwegt dem Rabbi. * * * Eine beängstigende Stille herrschtein dem dunklen Gässchen. , . . Hie und da ertönte aus einem Bethause die herzzerreissende Stimme eines Selichoth-Vortragenden . . . Aus dem Fenster einer Hütte drang das Aechzen eines Kranken herüber . . . Der Rabbi £ing immer seitab von der Strasse, im Schatten der Häuser und der Umfriedungen . . . Von Zeit zu Zeit trat die Figur des Rabbi aus dem Schatten; der Litthauer folgte ihm unentwegt. Er hörte deutlich, wie das Herz in seiner Brust heftig pochte, er folgte dennoch dem Rabbi. Und so gingen sie zur Stadt hinaus. Ausserhalb der Stadt dehnte sich ein junger Wald. Der Rabbi betrat den Wald, legte ungefähr dreissig Schritte zurück und machte neben einem Baume Halt. Der Litthauer geriet in Erstaunen, als er sah, dass der Rabbi die Hacke in die Hand nahm und sich anschickte, den Baum zu fällen. Nach langer, harter Arbeit fiel der Baum krachend zu Boden . . . Der Rabbi spaltete den Baum, machte ein Holzbündel, steckte die Hacke in den Gurt, lud das Holzbündel auf die Schulter und trat den Weg zurück in die Stadt an. In einem Gässchen blieb der Rabbi bei einer halbverfallenen Hütte stehen und pochte an das Fenster. „Wer draussen?" ertönte aus dem Stübchen eine erschrockene Stimme, in der der Litthauer die Stimme einer kranken Frau «rkannte. „Ich", entgegnete der Rabbi in russischer Sprache. r Wer?" „Wassil!" antwortete der Rabbi mit kleinrussischem Akzent „Welcher Wassil und was willst du?" „Habe Holz zu verkaufen und billig, fast umsonst . . . ." antwortete der Rabbi. Und ohne die Antwort abzuwarten, begab er sich in das Stübchen.