Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9756662-9603194-9603347--1205-9603364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
17 Pollatschek, Theodor Pollak, Salo Rittermann, Louis Sachs, Hugo Schäfer, Oskar Schäfer, Viktor Schäfer und Osias Schmelz. Der im Jahre 1839 erbaute Tempel erwies sich im Laufe der Zeit als zu klein, weil der Stand der Gemeindemitglieder in stetem Zunehmen begriffen war. Abgesehen von der sogenannten polnischen Betstube, welche schon im Jahre 1870 bestand, wurde nachweislich schon vom Jahre 1871 an, zu den hohen Feiertagen eine Bethausfiliale in verschiedenen Sälen und dann im Prüfungssaale der ehem. israelitischen Volksschule errichtet. Die Frage der Erbauung eines neuen Tempels wurde bereits im Jahre 1878 in Erwägung gezogen und sowohl in der gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und des Ausschusses vom 4. März 1879, als auch in einer zu diesem Zwecke einberufenen Generalversammlung, wurde „die dringende Notwendigkeit der Erbauung eines neuen Tempels anerkannt und der Wunsch ausgesprochen, den Bau desselben ohne Verzug und mit möglichster Vermeidung „einer höheren Belastung der Gemeindemitglieder auszuführen". Das hiezu gewählte, aus 7 Mitgliedern bestehende Komitee unter Vorsitz des Dr. Engelsmann hat auch die ihm aufgetragene Aufgabe ehestens gelöst. Auf dem von den Eheleuten Karl Traugott und Charlotte Bathelt erkauften Grundstücke an der Pechringstrasse wurde nach den Plänen des Architekten Herrn Karl Korn in Bielitz der monumentale Tempelbau durch die Baumeisterfirma Em. Rost in Biala aufgeführt. Die hiezu erforderlichen Mittel wurden durch Ausgabe von unverzinslichen Partialobligationen per 25.000 fl., welche im Wege der Zeichnungen und Spenden bei den Gemeindemitgliedern gesammelt wurden, durch Verwendung der vorhandenen Gemeindemittel, Aufnahme von Hypothekardarlehen, sowie Verkauf des alten Tempelgebäudes beschafft. Nach erlangtem Benützungskonsense und notwendig gewordenen Grund- und Strassenregulierungen hat am 21. September 1881 die feierliche Einweihung des neuen Tempels stattgefunden. Das gesamte bewilligte Baukostenerfordernis betrug bis 93.800 fl. Beiträge, Spenden und Sammlungen für die innere Ausschmückung des Tempels und Beschaffung der notwendigen Utensilien, wie nicht minder die zufolge späterer Strassenumlegungen erforderlich gewordene Abgrenzung und Einzäumung des Tempelgrundes sind von den Gemeindemitgliedern und deren Frauen in opferwilliger Weise zugeflossen. Noch vor Erbauung der eigenen israelitischen Volksschule in Bielitz im Jahre 1872 hat unter Aufsicht der Kultusgemeinde eine von ihr gegründete und erhaltene israelitische Schule bestanden. Diese Schule hatte jedoch kein festes Heim, war bei Fremden eingemietet, musste wiederholt übersiedeln und konnte den Bestimmungen des schon erflossenen Reichs-Volksschulgesetzes und den hygienischen Anforderungen nicht entsprechen.1) Die Kultus- ') Siehe Bericht über die Entstehung der isr. Volksschule in Bielitz 1897. 2