Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. 6/7. Wien, Juni—Juli 1905. 17. Jahrgang. Der Freiheitskampf in Rassland and die Jaden. „Es liegen durch Zeugen erhärtete Fälle vor, in denen Tartaren bei unserem Rückzug auf die eigenen Leute schössen, und es ist auch vorgekommen, dass Tartaren zu den Türken übergegangen sind. Doch sind wir geneigt, diese Fälle als vereinzelt dastehende Ausnahmen zu betrachten. In der überwiegenden Mehrzahl haben sowohl Tartaren, als auch Juden ebenso heldenmütig zu kämpfen und zu sterben gewusst, wie die übrigen russischen Soldaten und werden es in Zukunft ebenso halten, sofern nur die richtigen Führer an ihrer Spitze stehen ..." Es ist kein geringerer als General Kuropatkrn, der-dieses Zeugnis den Juden ausstellt. Nicht ihnen, sondern nur den Tartaren sagt er nach, dass sie im Kriege Russlands gegen die Türkei vereinzelt auf die eigenen Leute geschossen haben oder zum Feind übergegangen seien. Den Juden rühmt er nur Heldenmut und Zuverlässigkeit nach. Der Ausspruch ist in Kuropatkin's Schrift „Lowtscha, Plewna, Scheinow" enthalten. Der General wird daselbe Zeugnis der grossen Zahl der russischen Juden ausstellen können, die auf den mandschurischen Schlachtfeldern gekämpft haben oder heute noch den Japanern gegenüberstehen. Immer wenn die Massen des Volkes opferfreudig ihre Pflicht tun, pflegt sich in den Machthabern das Gefühl der Dankbarkeit zu regen. Immer wenn sich gezeigt hat, dass die Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses keine Verschiedenheit in der Bereitwilligkeit begründet, Gut und Blut für das Vaterland hinzugeben, pflegt sich der Regierenden die Einsicht zu bemächtigen, dass es nicht angehe, die Staatsangehörigen ihrer Religion wegen ungleichem Recht zu unterstellen. Ein grosser, zumal ein unglücklicher Krieg ist wiederholt der Anlass gewesen, nicht nur der Freiheit, sondern auch der Gleichheit eine Gasse zu bahnen. Mag sein, dass später, wenn die Gefahr vorüber und die Opfer vergessen waren, wieder eine traurige Reaktion eintrat und die Unduldsamkeit sich breit machte: inmitten des Krieges und unmittelbar nach seiner Beendigung galt es als ein Gebot des Anstand es, auch der Minderheit, die hinter der Mehrheit bei Erfüllung 1