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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 36

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 36 (sequence 36)
Language
German
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36 erlangte Erklärungen, noch immer in nach Rang und Stand geordneter Reihenfolge als angebliche Befürwortungen eines Schächtverbotes zu haben, obwohl der Abgeordnete Dr. Lieber schon am 9. Mai 1899 im deutschen Reichstage den elenden Schwindel, den man mit Namen von Marschällen, Generälen, Bischöfen und Oberpräsidenten getrieben, aufs Gründlichste blossgelegt hat13). Man kann von dort auch Meinungsäusserungen von Gelehrten beziehen, die wohl noch nie existiert haben, aber noch immerhin ins Leben treten können; unsere Welt steht ja den auf irgend einem Planeten weilenden Herren Roster und Magne noch immer offen. Eine falsche Definition der Kornea-Keaktion, bei der es noch überdies heisst: „Bemerkenswert ist die Stellung des Professor Dr. Grützner-Tübingen, der in seinem Gutachten zugibt, das das Blinzeln der Augen nach Berührung der Hornhaut als ein Ausdruck der Empfindung zu betrachten sei", ist auch zu haben. Mit Fälschungen einzelner Stellen der Gutachten, die man entwerten will, ist man reichlich versehen. Manchmal geben solche schon nach einem kleinen Langfingerspiel den gewünschten Sinn. Hier nur ein Beispiel: Herr Dr. Kaiser, Professor an der Tierarzneischule in Hannover wendet sich in seinem Gutachten, gegen das auch unsern Religionsvorschriften zuwiderlaufende, mitunter von unbewachten Metzgergehilfen geübte Nachschneiden, indem er schreibt: „Wenn durch den Halsschnitt die Arterien völlig durchschnitten sind, dann ziehen sich dieselben fast regelmässig nach dem Herzen zurück; dadurch wird in diesen Gefässadern das Gefässrohr enger, die Blutung auch wohl etwas geringer oder verlangsamt. Um die Blutung aber wieder möglichst ergiebig zu machen, werden die zurückgetretenen Gefässadern in nicht selten recht roher Weise mit der Hand wieder hervorgezogen und das erreichbare Teil mittelst eines Messers abgeschnitten. Wenngleich hierauf allerdings der Blutstrom wieder ein heftigerer oder doch ein heftig spritzender zu werden pflegt, so hat diese Manipulation für das rasche Ausbluten keinen sonderlichen Wert, sie muss deshalb als überflüssig und andererseits als ein roher Eingriff bezeichnet werden". Nun lesen wir anderwärts, wo man die Autorität des Herrn Professors zu einem entgegengesetzten Zwecke verwendet, dafür folgende Worte: „Nach dem Hals-, beziehungweise Schächtschnitt, ziehen sich die Arterien regelmässig nach dem Herzen zurück, das Gefässrohr wird enger, die Blutung gering, sie verlangsamt". Ist das nicht eine nette Fälschung? Und ähnliche, nur noch ungleich dreistere gibt es in der frivolen Sammlnng in verblüffend grosser Menge14). Jeder Gedanke reitet auf einem Hintergedanken, wo eine 13) Man rühmt sich auch vieler Schlachthof-Direktoren, wie viele al er darunter sind, die man so nennt, weil sie im eigenen Hofe die Schlachtung tu ihrer Gesellen oder Lehrburschen leiten, wird nicht gesagt. 14) Die Gutachter werden je nach Zweckmässigkeit bald falsch zitiert, bald infam verdächtigt und geschmäht. Hier nur ein Beispiel zur Kennzeichnung der Methode: Die von den Edlen nach allen Richtungen durch-

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