Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 festen an. Mag das Wirrsal unserer inneren Verhältnisse friedlich gelöst oder gewaltsam durchhauen werden — die Judenschaft in unserem Vaterlande wird auf eine weitere Bedrängung ihrer Position gefasst sein müssen. Böse Beispiele verderben die besten Sitten, und die russische Regierungsweisheit, die Unzufriedenheit mit den bestehenden Staatseinrichtungen auf die Häupter der Juden abzulenken, hat längst schon auch in Mitteleuropa eifrige Adepten gefunden. Angesichts dieser drohenden Gefahr müssen wir alle Kräfte zusammenfassen und unsere Waffen scharf erhalten. Noch stehen Tausende und Abertausende unseren Bemühungen kalt und fremd gegenüber. Sie aufzurütteln und unausgesetzt an ihre Pflicht gegen die Gesamtheit zu mahnen, soll nicht nur die Aufgabe der Vereinsleitung, sondern auch jedes einzelnen Mitgliedes sein. Allerdings, in der Stunde der Bedrängnis werden uns auch die Gleichgiltigen und Lauen zu finden wissen. Aber wer im Kampfe bestehen will, muss bei Zeiten zu demselben rüsten. Und darum wiederholen wir immer von Neuem unseren dringenden Ruf an alle Juden : Schart euch um uns, verstärket unsere Reihen, damit wir zu einer grossen, achtunggebietenden Macht werden! (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Präsident Sigmund Mayer eröffnet die Debatte über den Rechenschaftsbericht und erteilt das Wort Herrn Julius Ehrlich, welcher zwar die bedeutende Anzahl der geworbenen Wiener und auswärtigen Mitglieder anerkennt, aber den Antrag stellt, dass die in den letzten beiden Generalversammlungen der „Union" gefassten Beschlüsse bezüglich der Einsetzung von Bezirkskbmmissionen zur Werbung von Mitgliedern in Wien ausgeführt werden. Herr Rosenzweig verweist auf den Wert der Reisen des Vereinssekretärs in die Provinz, durch welche der Kontakt mit unseren auswärtigen Gaubensgenossen hergestellt werde. Der Vorsitzende erwidert hierauf, dass die Aquirierung von Mitgliedern in Wien nur durch eine Agitation von Haus zu Haus und von Mann zu Mann möglich sei. Sekretär Fleischer betont gegenüber dem Antrage Ehrlich, welch grosser Aufwand an materieller, physischer und geistiger Kraft erforderlich sei, um unsere Wiener Glaubensgenossen zum Besuche einer Agitationsversammlung zu bewegen. Eingesetzte Lokalkomitees hätten sich nicht bewährt. Herr Markus bestätigt die Ausführungen seines Vorredners und erklärt die Agitation zur Werbung von Mitgliedern von Haus zu Haus als die allein wirksame. Herr Mütter spricht sich dafür aus, dass die „Union" Gelegenheit zur Aussprache über allgemeine, politische und wirtschaftliche Fragen biete und zu denselben Stellung nehme. Redner betont speziell die Schächtfrage.