Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 3 (3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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M8 Zuschriften aus Hitgliederkreisen. Ein Reform-Vorschlag. Grosse Opferwilligkeit, eine freigebige Hand dem Armen und Kranken gegenüber, das sind zwei jüdische Eigenschaften, die auch von unseren Gegnern rückhaltlos anerkannt werden. Wenn es gilt, dem Nächsten zu helfen, da besinnt sich der Jude nicht lange; er gibt — zumeist mehr, als es seine Mittel erlauben. Dass man dem Armen aber helfen kann, ohne die Börse in Anspruch zu nehmen, wie dies anderwärts mittelst Sammeins gebrauchter Briefmarken, Zigarrenspitzen u s. w. geschieht, oder auch indem man zu Neujahr Gratulations-Enthebungskarten löst und den Erlös Armenzwecken zuwendet, wird bei uns Juden beinahe gar nicht beachtet. Die letztgenannte Art von Mildtätigkeit hat mich veranlasst, darüber nachzudenken, wie man die grossen Geldsummen, welche jedes Jahr für Neujahrskarten und Postporti ausgegeben werden, humanen Zwecken zuführen könnte, ohne die ursprüngliche Absicht, einem lieben Freunde zu gratulieren, aufzugeben. Um dies durchzuführen, proponiere ich Folgendes: Erstens: Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" in Wien gibt Gratulations-Albums heraus, ähnlich denjenigen, die heute für Ansichtskarten verwendet werden; selbstverständlich gegen mässige Bezahlung. In jedem guten jüdischen Hause liegt ein solches Album auf. Zweitens: Jeder Chewra-Kadischa-Verein gibt vor dem jüdischen Neujahrstage Gratulationskarten aus, stempelt solche mit einer Stampiglie, wie auf der Post gebräuchlich, ab; eine solche Karte kostet 15 Heller. Der Vereinsdiener geht vor dem Feiertage in sämtliche jüdischen Häuser, nimmt Bestellungen auf diese Karten entgegen und kassiert die Beträge hiefür ein. Ich habe zum Beispiel bisher an zehn Freunde Gratulationskarten geschickt, kaufe folglich zehn Karten ä 15 Heller.|£ "^([Nachdem mir der Diener die Karten gebracht, versehe ich jede mit de^i Namen des Freundes, für welchen sie bestimmt und reihe sie in das Album ein. Gelegentlich eines Briefwechsels kann ich eine solche Karte mit einem auswärtigen Freunde tauschen. Einheimische Freunde werden mich bei einem Besuche kontrollieren, ob ich ihrer gedacht. Wie viel Gutes könnte mit diesem Gelde gestiftet werden? Ich verhehle mir nicht, dass dieses Projekt anfangs, wie alles