Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 3 (3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monatschrift der Oesterreichisch>Israelitischen Union. Nr. - 3. Wien, Mitte März 1905. 17. Jahrgang. Die Schächtfrage. Von Leopold Mandl in RöhrenbacL I. In einer Festrede, welche Professor Ernst Curtius im Jahre 1876 am Geburtstage des deutschen Kaisers über die kulturelle Bedeutung der Israeliten und Hellenen gehalten, hat der berühmte Gelehrte von diesen zwei Völkern unter anderem gesagt: „Beide haben in ihrer Absonderung etwas zustande gebracht, was an innerer Bedeutung über ihre nationale Selbstständigkeit weit hinausreicht; beide haben uns ein Erbe hinterlassen von solchem Wert, dass sich noch heute die Völker darnach unterscheiden, wie weit es ihnen gelungen ist, dasselbe sich anzueignen, einen Schatz für die Menschheit, welcher verschüttet, vergessen, als abgetan weggeworfen, aber immer wieder hervorgezogen ist und immer neue Lebens- und Segenskraft bewährt hat." Der Schluss seiner das alte Hellas und Israel gleichmässig würdigenden Betrachtungen lautete: „Wollen wir also mit dem Ernst machen, was den stetigen Fortschritt menschlicher Bildung bedingt, so müssen wir die nach allen Seiten methodisch ausschreitende, alle Gebiete der Natur und der Geschichte rastlos durchmessende Forschung der Hellenen mit der Sammlung und Vertiefung des Gemüts und der entschlossenen Hingabe desselben an eine zentrale Wahrheit zu verbinden .suchen, wodurch das andere der beiden Völker, das Volk der Religion, berufen war, die ihm anvertraute Idee wie ein Heiligtum durch das wilde Gedränge der alten Völkergeschichte still hindurchzutragen und dadurch den Grund zu schaffen, auf welchem die ganze moderne Kultur ruht." Mit der Verwirklichung des Ideales, das der vortreffliche Mann vorgezeichnet, hat es noch seine weiten Wege. Wissenschaftliche Bildung und Aussenkultui schreiten rastlos vor, doch die Kultur des Gemüts- und Innenlebens bleibt oder strebt zurück, so dass das zwischen der Geistes- und der Gemütsbildung obwaltende Missverhältnis immer grösser und unheilvoller wird. In den gebildeten Klassen haben Viele allen moralischen Halt verloren, Lug und Trug, Heuchelei, Gemütsroheit und Sittenfänlnis l