Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 2 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 nänilich um einen Kampf für die deutsehe Kultur. Ein solcher „Kulturkampf" sei auch der Kampf gegen den Antisemitismus. Eine Bewegung, die solche Erscheinungen wie Graf Püekler zeitige, bedeuti eine schwere Gefahr für die deutsche Kultur, wie man jetzt endlich in leitenden Kreisen einzusehen beginnt. Denn welch eine Gefahr für das deutsche Recht und die deutsche Kultur bedeute es, wenn das Märchen vom Ritual mord dazu benutzt werden kann, um die Spuren eines Mordes zu verwischen, wie dies bei der Konitzer Affaire geschehen ist; oder bedeute es nicht etwa eine Gefahr für die deutsche Kultur, wenn bei der Besetzung von wissenschaftlichen Aemtern oder höherer Verwaltungs- und Richterstelleu nicht etwa die geistige Fähigkeit oder die grössere wissenschaftliche Vorbildung als ausschlaggebend ist, sondern auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession Mit Recht wies der bedeutendste Strafrechtslehrer unserer Zeit, Professor List, in einer Berliner 7ersammlung des Zentralvereius nach einem Referat des Zentralvorsitzenden Justizrat Horwitz über die Vorgänge in Könitz darauf hin, dass etwas Derartiges nur infolge unserer mangelhaften Strafprozessordnung möglich sei, eine Strafprozessordnung, die es zulässt, dass die Voruntersuchung im abgeschlossenen Kreise, ohne jedwede Mitwirkung der Verteidigung geführt wird. „Schöpfen Sie aus Ihren Leiden die Kraft, gegen die allgemein existierenden Missstände zu kämpfen," so sagte damals der beiühmte Gelehrte. Er erkannte also wohl die allgemein kulturelle Bedeutung des Kampfes an. Redner geht dann näher auf die Ziele des Zentralvereins ein, dessen Mitglieder mit dem Gründer des Vereins, Raphael Löweufeld, dem jetzigen Direktor des Schillertheaters in Berlin, ausrufen: ,.W i r wollen keine S c h u t z j u d e u s ein!" Der Vortragende fordert dann die Anwesenden auf, stets so zu leben, dass ihre Lebensweise als ethisches Vorbild auch den Judenfeinden gilt. Der Zentralverein wolle, dass seine Mitglieder nicht nur treue Juden, sondern auch treue deutsche Staatsbürger sind und dass ihnen in dieser Beziehung ein Lasker und Bamberger als Vorbild gelten. Die Hauptsache für die modernen Juden sei es, dass die blasse Resignation von ihnen weiche und sie den fröhlichen Kampf aufnehmen in dem Bewusstsein, dass sie nicht nur für eine kleine jüdische Minorität, sondern auch für die Verbreitung der allgemeinen deutschen Kultur kämpfen. Die interessanten Ausführungen des Redners fanden den wohlverdienten, lebhaftesten Beifall. Karlsruhe. (Das „judenfreie" Haus.) Wie aus dem badischen Oberland berichtet wird, Hess ein Gasthofbesitzer an einer Eisenbahnwechselstation des Wutachtales auf ssin Firmenschild neben der Bezeichnung des Gasthofes die Worte KJudenfreies Haus" anbringen. Der Oberrabbiner von Karlsruhe legte im Namen der Judensehaft Beschwerde beim Ministerium gegen diese, die Israeliten beleidigende Aufschrift ein, was zur Folge hatte, dass der Wirt aufgefordert wurde, diese antisemitische Kundgebung zu entfernen. Der Wirt aber protestierte dagegen. Der Prozess dauerte gegen sechs Monate, bis er jetzt zu Ungunsten des Wirtes, der neben der Entfernung des Vermerks noch die Kosten zu bezahlen hatte, entschieden wurde. Zuschriften aus Mitgliederkreisen. Ol mutz, 1. Februar 1905. Ihre Monatschrift vom Jänner 1905 enthält eine Zuschrift aus Böhmen, betreffend die Kultussteuer. Die Kultussteuerfrage, welche allen Kultusvorständen so viel Kopfzerbrechen macht, wäre einfach zu lösen, wenn nicht das Quotensystem bestünde, mit einer Abgrenzungnach Oben, welche