Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 2 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Billigkeit der Arbeitskräfte, auch infolge des Verbotes, sich ausserhalb der Städte anzusiedeln und Grundstücke in Pacht zu nehmen. Auf Grund der Volkszählung von 1897 beträgt die Zahl der Juden im europäischen Russland 5,082.343 oder zirka 4 Prozent der Gesamtbevölkerung des europäischen Russland, oder 10 bis 14 Prozent der des Ansiedlungsgebietes. Handwerker gab es 500.986, darunter 259.400 Meister, 140.500 Gesellen und 101.000 Lehrlinge; ungelernte jüdische Lohnarbeiter 97.933, darunter zur Feldarbeit ausgehende 12.100. Fabriksarbeiter in 14 Gouvernements (Polen und Gouvernement Cherson ausgenommen) zirka 34.000. Bei 31.006 Personen waren Geschlecht und Alter zu ermitteln; es ergaben sich 26.667 (20.081 männlichen und 6586 weiblichen Geschlechts) Erwachsene und 5248 Kinder. Im Gouvernement Grodno gibt es zirka 10.000, im Gouvernement Minsk 4400, im Gouvernement Wolhynien zirka 4000, in der Stadt Wilna nach dem Bericht zirka 900 jüdische Fabriksarbeiter. Die Gesamtzahl der Fabriken in diesen 14 Gouvernements beträgt 7750, darunter 2933, das heisst 38 Prozent, in .jüdischen Händen. Im Allgemeinen sind die jüdischen Fabriken kleiner als die nichtjüdischen: auf die ersteren entfallen durchschnittlich 22 Arbeiter bei 31.000 Rubel Jahresumsatz, auf die letzteren 36 Arbeiter bei 65.000 Rubel Jahresumsatz.1) Die Juden bilden laut Bericht ungefähr 13 Prozent der Gesamtbevölkerung des Gouvernements Wilna; ungefähr 30 Prozent der jüdischen Bevölkerung von diesem Gouvernement wohnen in Städten. Von den 10 Bankgeschäften der Stadt Wilna gehören 9 den Juden, ausserdem noch 2 Wechselstuben. Das durchschnittliche Grundkapital der jüdischen Banken beträgt 50.000 Rubel, der Gewinn 8 bis 10 Prozent, da alle sicheren Wechsel bei den dortigen Banken diskontiert werden. Fabriken gab es im Jahre 1901 1540 mit einer durchschnittlichen Produktion von 9515 Rubel; darunter gehörten höchstens 1232 Betriebe den Juden. Grössere Betriebe gab es 159 mit einer Produktion von 400.000 bis 3 Millionen Rubel.2) Ausserdem gibt es noch die Holzhandelbranche, die aber im Rückgang begriffen ist wegen Abnahme des Holzbt Standes. Vermögende jüdische Holzhändler mit 100—200.000 Rubel Kapital gibt es im ganzen Gouvernement nicht mehr als zwei Zehntel. Dann folgen allerhand Unternehmer und Lieferanten, Vertreter der sogenannten freien Berufe; in Bezug auf die letz- ') Alle diese Antraben über die Zabl der Fabiiken und Fabriksarbeiter sind der Enquete der , Jewish Colonisation Association" 1898/99 entnommen; siehe auch Ruppin : rDio Juden der Gegenwart", Berlin 1904, und „Materialien zur ökonomischen Lage der Juden in Russland", 1904 (russ.). 2) Den durchschnittlichen Gewinn kann mau auf 6 Prozent annehmen; wenn man aber in Betracht zieht, dass ein Teil der Betriebe ganzen Gesellschaften gehört, so ist die durchschnittliche Einnahme eines Besitzers ungefähr auf 2800 Rubel anzuschlagen (Der Bericht, S. 33).