Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 2 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monat schrift der Oesterreichisch - Israelitischen Union. Nr. 2. Wien, Mitte Februar 1905. 17. Jahrgang. Christen und Juden. Im österreichischen Abgeordnetenhause geschehen merkwürdige Dinge. Man wagt es, sich nicht nur der verleumdeten Juden, sondern sogar des verlästerten Talmud anzunehmen. In einer Versammlung der Klubobmänner, welche anlässlich der Neuwahl des Präsidenten stattfand, wurden verschiedene Beschwerden über die bisherige Führung der präsidialen Agenden laut. Bei dieser Gelegenheit beklagten sich der Obmann des Polenklubs, Graf Dzieduszyezki, und der Führer der Deutsch-Konservativen, Dr. Kathrein, über die Duldung von Verunglimpfungen der katholischen Religion seitens des Präsidenten. Der sozialdemokratische Abgeordnete Pernerstorfer bemerkte hierauf, auch er sei ein Gegner der Verletzung von religiösen Gefühlen, er erinnere aber daran, dass man damit begonnen habe, die heiligen Bücher der Juden in den Kot zu zerren. Er verlange den gleichen Schutz für alle Konfessionen. Der Abgeordnete Dr. Kathrein, ein streng kirchlich gesinnter Tiroler, erwiderte, dass er mit dem Abgeordneten Pernerstorfer vollommen darin übereinstimme, dass die religiöse Ueberzeugung Jedermanns geachtet werden müsse. Er verlange die Respektierung der religiösen Gefühle der Katholiken, zolle aber auch volle Ueberzeugung jeder anderen religiösen Ueberzeugung. Die Erkenntnis führender Persönlickeiten des österreichischen Parlamentes, dass auch Juden und deren religiöse Ueberzeugung geachtet werden müssen, ist insbesondere durch die Herabwürdigung des heiligen Altarsakramentes der Katholiken durch ein alldeutsches Tagblatt und durch die Interpellationen, welche die Alldeutschen wegen der gerichtlichen Verfolgung dieses Blattes einbrachten, gezeitigt worden. Man ist doch endlich zu der Einsicht gelangt, dass man den Brand nicht auf der einen Seite löschen, auf der anderen Seite aber schüren könne. Die Wünsche, die in der Obmännerkonferenz vorgebracht wurden, sind zunächst ein Leitfaden, der dem wiedergewählten Präsidenten für die Behandlung solcher Dinge mit auf den Weg gegeben wird. Sie stimmen im Wesentlichen mit jenen Bestrebungen zur Abänderung der Geschäftsl