Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 2 (2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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29 Paris. (Judenhetzen in Marokko.) Am 17. Dezember brach über die Juden in Stat, einer von Casablanca zirka 50 Kilometer entfernten Ortschaft, eine verheerende Katastrophe herein. Die ganze Gemeinde, an 1600 Seelen, meist kleine Handwerker oder Hausierer, wurde durch einen plötzlichen räuberischen Ueberfall ins tiefste Elend gestürzt. Man war gerade in der Synagoge zum Morgengebet versammelt, als zahlreiche berittene Kabylen der Umgegend das jüdische Stadtviertel ( Uellah) überfielen. Sie plünderten oder zerstörten alle bewegliche Habe und bemächtigten sich vielfach der Frauen und Kinder. Hiebei kam es zu abscheulichen Gewalttaten. Zwei Juden wurden von den Pferden zertreten und starben. Ein zwölfjähriges verkrüppeltes Mädchen wurde dermassen vergewaltigt, dass es kaum mehr einem menschlichen Wesen glich. Wöchnerinnen wurden auf grausame Weise entkleidet und samt ihren Säug lingen auf die Strasse geworfen. Die Zahl der an diesem Tage verwüsteten Hau ser oder Geschäftslokale beträgt etwa S00, von Lebensmitteln war so gut wie nichts mehr vorhanden. In ihrer Bestürzung flüchteten die so schwer Betroffenen nach allen Seiten. Viele Familien brauchten Wochen, um sich wieder zusammenzufinden Die Gefangenen werden nur gegen ein beträchtliches Lösegeld den Ihrigen zurückgegeben. In diesem Wirrwarr zeigten sich die Araber zu Ouled Hriss höchst mildtätig. Sie nahmen manchen Flüchtling in ihre Häuser auf und gewährten ihm Unterhalt. Einer von ihnen, Mohamed ben Tami, ritt sogar mit mehreren seines Stammes aus, um die Verirrten zurückzuholen. Andere Araber jedoch benahmen sich schurkenhaft und stahlen Ware und Geld unter dem Vorwande, es aufzubewahren. Der grösste Teil der Flüchtlinge — etwa 700 Seelen — rettete sich nach Casablanca. Dort wandten sie sich an die Schule der Alliance Israelite Universelle und flehten den Direktor um Hilfe an. Zehn Tage hatten sie gebraucht, um die 50 Kilometer bis Casablanca zurückzulegen. Sie trafen in einem erbärmlichen Zustande ein. Der Direktor veranstaltete sofort eine Sammlung unter den Juden von Casablanca, um das Dringendste zu beschaffen. So erhalten denn diese Aermsten dank der Wohltätigkeit der Juden von Casablanca und der Vermittlung der europäischen Konsulen, besonders des englischen, für einige Zeit das tägliche Brot und die nötigste Kleidung; es wird jedoch solauge für ihren Unterhalt in Casablanca gesorgt werden müssen, bis die Ordnung in Stat wiederhergestellt ist. Sodann muss an ihre möglichst schnelle Zurückführung in die Heimat gedacht werden, was viel kosten wird, da von den früheren Wirtschaften nichts mehr besteht Die Allianz hat die Kinder der Flüchtlinge in ihrer Schule untergebracht und versieht sie mit Kost und Kleidung. Sie hat auch für die erste Hilfe einen Geldbetrag nach Casablanca übermittelt, aber es wird vermutlich noch bedeutender Summen bedürfen, um den Schaden notdürftig zu heilen, namentlich da auch in Marrakesch, wo 14.000 Juden wohnen, Unruhen ausgebrochen sein sollen. Niederländische Schürzenindustrie. Grösste und billigste Erzeugung in Oesterreich-Ungarn. Täglicher Export-Versandt nach allen Ländern. Offeriere Schürzen von 5 kr. bis zu fl. 1.—. Mustersendung beträgt ca. 25 Kronen. Versandt per Nachnahme, bei Referenzen ohne. Nichtpassendes wird anstandslos zurückgenommen. Korrespondenz deutsch, böhmisch, ungarisch, englisch und französisch. JULIUS LEDERER, RUMBURG.