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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 41

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 41 (sequence 41)
Language
German
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41 Untersuchung teilgenommen hat. Targe berichtet eingehend über die Nachforschungen, die er bezüglich verschiedener Punkte vorgenommen hat, die in dem vom Kriegsminister dem Justizminister mitgeteilten Bericht aufgezählt sind; sodann legte er der Kommission alle Schriftstücke des Dossier vor und lieferte die tatsächlichen Nachweise bezüglich der vom Kriegsminister hervorgehobenen und in seinem Berichte erwähnten Punkte. Es ist noch nicht bekannt, auf welche neuen Tatsachen sich die Entscheidung der Revisionskommission stützt. Wie verlautet, soll diese sich hauptsächlich auf die Feststellung gründen, dass ein Schriftstück, das aus der Zeit nach Dreyfus' Verhaftung datiert, betrügerischer Weise mit einem Datum aus der Zeit der Verhaftung versehen worden sei, sowie auf die fernere Feststellung, dass aut einem anderen Schriftstück der Anfangsbuchstabe „P" durch den Buchstaben „D" ersetzt worden sei. Es soll dies das bekannte Schriftstück mit den Worten „Cette Cannaille de D" sein. Es heisst. die Kommission habe sich dahin ausgesprochen, dass diese Aenderungen das Kriegsgericht in Bennes zu dem Glauben veranlassen konnten, dass diese beiden Schriftstücke sich auf Dreyfus bezögen; es sei daher angezeigt, diese beiden Schriftstücke ganz auszuscheiden, die dazu beigetragen hätten, die abermalige Verurteilung herbeizuführen, während sie Dreyfus nicht betrafen. BerÜO. (Geschäftsantisemitismus.) Die antisemitische „Sachsenschau" warnt vor dem antisemitischen Deutschen Volksbund: Die Magdeburger Antisemiten hätten sich mit dem Volksbund erst nach langem Zaudern eingelassen, nachdem der Mitbegründer des Volksbundes v. Mosch „feierlieh versichert hatte, dass der Volksbund sich mit den eingehenden Beiträgen begnügen, die Leute nicht durch P u m p e r e i abschrecken, keine Gründungen und keine Schulden macheu, vorläufig sich auch nicht an den Wahlen beteiligen, sondern nur mit der Sammlung und Organisation unserer Kräfte begnügen wolle". Keine einzige von diesen Versprechungen sei gehalten worden. „Zuerst gründete man das Bundesheim, das in drei Jahren nach dem eigenen Geständnis des Geschäftsführers 21.000 Mark verschlungen hat, welche der Volksbund später mit ersetzen soll. Das Bundesheim sollte künftig zu einem grossartigen Geschäftshause erweitert werden, das seine Versammlungssäle, Kneipzimmer, Logierzimmer für den grossen Bund erhalten sollte". Der die Geschäftsführung übernehmende Rechtsanwalt im Bundesheim sei machtlos gewesen gegen die „grossartige Wirtschaft". Der Redakteur der „Sachseuschau", Fasshauer, erzählt dann, er habe versucht, einzugreifen, aber ohne jeden Erfolg. „Als ich dann hörte, dass man einen fest angestellten Staatsbeamten seine sichere Lebensstellung aufgeben und in die Verwaltung des Volksbundes eintreten lasse, dass man eine Tageszeitung gründen und dazu Gelder sammeln wollte, da war meines Bleibens nicht läuger im Volksbunde, und wir traten hier in Magdeburg bis auf einige jüngere Leute und einige ältere Gesinnungsgenossen aus, welch letztere an der fixen Idee leiden, dass der Antisemitismus, bei dem nicht verschiedene Gesinnungsgenossen Gelder oder ihr Vermögen verlieren, unmöglich der richtige sein könne. Genug, das Befürchtete trat ein. Man sammelte Gelder für die Tageszeitung, beteiligte sich an Wahlen, ohne genügende Mittel dazu zu haben, mietete, obwohl das Bundesheim in der Rosenthalerstrasse leer stand, eine Geschäftsstelle in der Friedrichstrasse für 40U0 Mark, stattete sie aus mit einer Einrichtung für 5000 Hark und sammelte überall Gelder. Einen Hauptzuschuss erwartete man von der Ausbeutung einiger Erfindungen des Herrn v. Mosch. Da war zuerst das E i n r a d, das fünf Millionen bringen sollte — ich weiss nicht mehr, ob Mark oder Thaler. Das Modell lag uns vor. Der Fahrer sitzt im Rade drin, das durch sein Gewichten rasende Bewegung gesetzt wird. In zwei Stunden fuhr man von Berlin nach Magdeburg. Ausserdem waren noch ein Schaufenster-Reklameapparat und eine kleine Buchführung da, die in jedem Portemonnaie anzubringen war. Zur praktischen Ausführung dieser Ideen wurde in Berlin eine richtige Schlosser Werkstatt unterhalten. Wie

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