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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 sprechen, da bloss Rassen, bloss Völker, bloss Nationen etwas Tatsächliches, etwas wirklich Gegebenes sind. Nicht die Veredlung und Vervollkommnung der gesamten Menschheit schwebt unseren heutigen Moralisten als höchstes Ziel vor Augen, sondern die Züchtung einer einzigen edlen Rasse und die Bekämpfung und Vernichtung aller anderen für minderwertig erklärten Menschenrassen. Darum gilt der Rassenhass nicht mehr als der Ausfluss roher Leidenschaften, sondern als ein gesunder Instinkt, den Mutter Natur der edlen Rasse zu ihrem Heile und zu ihrer Erhaltung eingepflanzt hat. Und der Verfasser der vielgelesenen „Grundlagen des 19. Jahrhunderts", Houston Stuart Chamberlain, sagt seinen Lesern, sie möchten „statt die blöden und lügenhaften Menschheitsphrasen nachzuplappern, die schon vor 1800 Jahren in den semitischen Salons Roms Mode waren-', sich der Worte G o e t h e's erinnern : Du musst steigen oder sinken, Du musst herrschen und gewinnen, Oder dienen und verlieren, Leiden oder triumphieren, Amboss oder Hammer sein! Das heisst, die Nationen sollen sich nicht zu gemeinsamer Kulturarbeit vereinigen, sondern einander bekämpfen, damit aus dem blutigen Kampf nur eine als „Hammer" hervorgehe und alle anderen zum „Amboss" mache. Das sind die Lehren, welche die neuen Propheten der sogenannten Rassentheorie laut auf dem Markte und auf den Gassen verkünden und gerne auch als die Lehren der Wissenschaft ausgeben. Da ist es doch wohl zeitgemäss, zu fragen, was denn die Wissenschaft von Rassen und von Völkern weiss, was wir im streng wissenschaftlichen Sinne unter „Rasse" und unter „Volk" zu verstehen haben und ob der Begriff der Menschheit noch eine wissenschaftliche Berechtigung hat oder nicht. Wohl sagt uns wieder Chamberlain, dass es „eine der verhängnisvollsten Verirrungen unserer Zeit" ist, welche uns dazu treibt, den sogenannten „Ergebnissen" der Wissenschaft ein Uebergewicht in unserem Urteil einzuräumen. Reine Wissenschaft ist nach ihm nur ein edles Spielzeug, das uns nichts lehren könne. Und um zu wissen, was Rasse ist, will er nicht die Wissenschaft, sondern die Natur befragen. „Wer unbefangen und mit lauterem Sinn die Natur befragt", erklärt er pathetisch, „kann sicher sein, eine Antwort zu erhalten, wie sie eine Mutter ihrem Sohne gibt, nicht immer logisch untadelhaft, doch wesentlich richtig, verständlich und auf das Beste des Sohnes mit sicherem Instinkt gerichtet". Verehrte Anwesende! Ich habe immer gefunden, dass diejenigen sich am lautesten und am liebsten auf die Natur be-

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