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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-01-01 · 1 (1.1904) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
1 (1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 worden ist. Er verlangt von seiner Partei Anteilnahme an den Schöpfungen der Kunst und Fortbildung an jenen der Wissenschaft. Die G r e g o r i g und Bielohiawek, die einen unüberwindlichen Widerwillen gegen alles Gedruckte haben, die Schneider und Schwer, die sich den "Ehrennamen der „Bluthunde von Polna" erwarben, sie sollen teilnehmen an den „Bildungsfrüchten", an den „treibenden Schöpfungen auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft"! Mit Erstaunen und mit Grauen wird man in der christlichsozialen Welt den Neujahrsartikel des „Deutschen Volksblatt" gelesen haben. Sind es doch erst wenige Wochen, seit im niederösterreichischen Landtage, in dem sich einst Gregorig durch den klassischen Zuruf „Bildungsprotz" gegenüber einem Universitätsprofessor verewigt hat, eine wilde Hätz gegen die Wissenschaft und ihre Jünger eröffnet wurde. Mit der Verdammung des Tierexperimentes hat diese parlamentarische Agitation begonnen und mit der Verhöhnung aller wissenschaftlichen Forschung und Lehre hat sie geendet. Das ist in der Tat ein hübscher Anfang für die Verwirklichung des Bildungstraumes des Herrn Pattai. Ein Anfang? Nicht doch! Denn viel früher schon hat das Oberhaupt Wiens, hat der Bürgermeister Dr. L u e g e r mit jener autoritativen Sicherheit, die alle seine Aussprüche kennzeichnet, erklärt, dass ihm jedes Kräutlerweib lieber sei als alle Doktoren der Medizin. Man weiss, welche unmittelbaren Wirkungen die systematische Hetze gegen die Aerzte gezeitigt hat. Die Wiener Bevölkerung wird von einer förmlichen Aerztefurcht geschüttelt. Aber das ist nur ein geringfügiges Symptom einer tiefer liegenden Krankheit. Es Messe Wasser in die Donau schütten, wollte man heute noch einen umständlichen Beweis dafür erbringen, dass die christlichsoziale Partei von allem Anbeginn an doch nur die Geschäfte des Klerikalismus in Oesterreich besorgt hat, und die Wirkungen der klerikalen Macht spürt Oesterreich tatsächlich in allen Gliedern. Der Niedergang Wiens und des ganzen Reiches in geistiger und kultureller Beziehung datiert von dem Augenblicke des siegreichen Aufstieges der christlich-sozialen Partei. Unsere Antisemiten jeglicher Couleur haben wahrhaftig keine Ursache, sich der Kultur zu berühmen, mit welcher sie und ihre klerikalen Verbündeten uns beglückt haben. In den Kreisen der Gebildeten ist jener Warnungsruf noch unvergessen, den im vorigen Jahre die Wiener philosophische Fakultät in einem Memorandum an den Unterrichtsminister ertönen liess. Die steigende Uebermacht des Klerikalismus hat es dahin gebracht, dass wir allmälig aber sicher in den Zustand des Vormärz zurücksinken, in welchem wir von dem Geistesleben aller Kulturvölker nahezu gänzlich abgeschnitten waren. So oft an einen auswärtigen deutschen Gelehrten in der letzten Zeit ein Euf nach Wien ergangen ist, wurde er abgelehnt. Niemand will mehr hieher kommen. Und mit Recht! Die öffentlichen Verhältnisse des Ge- 1*

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