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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-10-01 · 10 (10.1903) · p. Seite 32

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
10 (10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 32 (sequence 35)
Language
German
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32 Aufruf! Am 17. September 1903 brach um 4 Uhr 80 Min. in der galizisehen Kreisstadt Zloczöw Feuer aus und wütete bei Dürre und starkem Nordostwiude mit so unzähmbarer Gewalt, dass nach nicht ganzen -_'4 Stunden die grössere Hälfte der Stadt in Asche und Trümmer sank. Ausser gewetblieben und wirtscbaftlicbeu Räumlichkeiten sind mindestens 600 Wohnhäuser ein Raub der Flammen geworden und an den Siätten, wo vor kurzer Frist bedeutender Handel und vorwiegend Kleingewerbe regen Verkehr uud segensreichen Wolstand unter der Bevölkerung unterhielten, haust Armut und namenloses Elend. Die Opfer dieser Katastrophe gehören zu drei Vierteilen dem jüdischen Glauben an und rekrutieren sich aus dem Handels- und Handwerkerstande. Wird bei den notorisch ungünstigen Wohnverhältnissen der jüdischen Bevölkerung in Galizien der geringste Durchschnitt von lu Personen per Haus als Grundlage angenommen, so muss mit der Tatsache gerechnet werden, dass mindestens 4000 Seelen jüd sehen Glaubens obdachlos geworden sind, Sie sind aber auch aller beweglichen Habe und hiemit auch ihres Erweibes beraubt, weil die verheerende Gewalt dieses schrecklichen Feuers an eine Bettung des beweglichen Vermögens nicht denken Hess Grosse Lager aufgespeicherten Getreides, Mehls und anderer Cerealien, ganze Magazine von Tuch-, Schnitt- und H dawaren stiegen mit dem Rauche auf. Eisen und Glas schmolzen zusammen und iu den Werkstätten verbrannten die Werkzeuge der zahlreichen Tischler, Schlosser, Schneider, Schuster uud anderer Haudarbeiter. Wie sie Stauden, so retteten die Armeu ihr nacktes Leben und entü dien anf die Aecker uud Wiesen, um nur das eigene uud ihrer Kinder Lehen den Flammen zu en'reissen. Unter freien Himmel bringen sie die kalten Herbstnächte zu oder dräng-n sich zu Hunderten iu Massenquartiere, welche der Herd epidemischer Krankheiten zu werden drohen. Dieser Notstand ist unermesslich uud unabsehbar, denn nur die wenigsten hatten ihre Häuser kärglich tregeu Feuer versichert, während das bewegliche Vermögen gar nicht versichert war. Und als ob das Maass des Elends voll werden musste wurden auch Krankenhäuser, nämlich das Allgemeine, s >wie das erst vor einigen Wochen mit Aufwand von Opfern eingerichtete jüdische Spital und das Haus der jüdischen Siechen vom Feuer gänzlich zerstört. Das Unglück, das unsere Stadt getroffen, ist namenlos und unbeschreiblich. Man muss sie sehen, die Armen, die Obdachlosen, die aibeiteu wollen uud nicht die Mittel dazu besitzen. An hochherzige Menschenfreunde, au edle Gönner, deren fühlend Herz für das Wehe Ande er warm schlägt, und an alle edlen Glaubensgenossen wendet sich das gefertigte Komitee im Namen Gottes und der Menschenliebe — mit der iunigen Bitte um rasche uud erfolgreiche Hilfe für die notleidenden Glaubensgenossen. Z 1 o c z 6 w im September 1903. Das Hilfskomitee für jüdische Abbrändler: Dr. B. Alter Kultus vorstand. Dr. Mittelmann Kultusrath. M. Thür haus Gutsbesitzer Ch. Seiden Wechsler. Josef Gold Kultuspräsident. F. Rohatyn Ober-Rabbiner. Dr. L. Rothenberg Advokat. M. Langer Schuldirector. Dr. I. E i d e 1 b e r g Viceprä'sid ut. Dr. L. R e i s s k. k. Notar. A. Karfunkel Gutspächter. F. R e i s s Kaufmann

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