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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-08-01 · 8 (August/September 1903) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
8 (August/September 1903)
Date
1903-08-01
Page
Seite 21 (sequence 24)
Language
German
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21 Dabei rieb er sich lebhaft seine kleinen, trockenen Hände und fügte hinzu: „Das ist recht, das ist recht!" Der unvermeidlichen, aufregenden Anziehungskraft gehorchend, ging ich auf den Lärm zu. Ich war nicht der einzige. Dieser grässliche Tumult beherrschte die ganze Menge und verschlang sie förmlich, wie ein beweglicher Sumpf. Aus den Gesichtern um mich her sprach eine heftige, blöde Wut, böse Blitze schössen aus den Augen, und diese ganze Menschenmenge stürzte wie eine kompakte Masse vorwärts, fest entschlossen, Zäune und Mauern umzureissen, die ihrem Ansturm im Wege standen. Alle diese Männer zögerten keinen Augenblick, die vor ihnen Hergehenden mit Füssen zu treten und über ihre Körper hinweg zu schreiten. Ich trat in den Hof eines Hauses der Sackgasse, sprang über die Trennungsmauer in einem Nachbarhof und befand mich, nachdem ich dasselbe zweimal wiederholt, inmitten einer beträchtlichen Menschenansammlung. Der Erdboden schien unter den Schritten dieser gährenden Flut zu zittern, die den schmalen Innenhof eines grossen Steinhauses anfüllte, an das sich zahlreiche Nebengebäude anschlössen. Mit hocherhobenen Köpfen standen diese Männer da und benahmen sich wie die Besessenen; die Gesichter waren aufgedunsen und die Zähne leuchteten in den offenstehenden Mündern. Sie schwangen die Fäuste und rannten sich gegenseitig an, kletterten auf die Dächer der Nebengebäude, fielen herunter und kletterten wieder hinauf. Trotz der Verschiedenartigkeit der Gesten eines jeden Individuums hatten sie alle einen gemeinsamen Zug. Es waren die getrennten Glieder eines Kiesenkörpers, der von derselben mächtigen Kraft belebt wurde. Ueber diesem brüllenden Gewimmel der von ein und demselben Hasse entflammten Menge stand ein magerer, hochgewachsener Jude auf der äussersten Spitze des Hauses, neben dem Schornstein. Er riss die Ziegelsteine, einen nach dem anderen, heraus, und schleuderte sie mit dem kreischenden Schrei einer Möve nach unten. Sein langer weisser Bart zitterte auf der Brust, und seine weisse Hose war mit roten Flecken bedeckt. Wütende Flüche erhoben sich zu ihm. „Schiesst doch den Kerl herunter!" „Gebt ein Gewehr her, steinigt ihn!" „Man muss auf das Dach klettern." An den Fenstern des Hauses erschienen ab und zu die dunklen Gestalten von Männern, die die Fensterrahmen ausrissen und allerlei Gegenstände hinauswarfen. Fensterscheiben zerbrachen krachend. Ein Bursche mit plattem Gesicht und krausen Haaren näherte sich mit einem Spiegel einem offenen Fenster, Hess seine Last auf den Hof fallen und rief:

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