Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 40 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Klerks, Ingenieure und Leiter beitragen. Welche Bedeutung diese Tatsache für Städte hat. in denen die jüdische Bevölkerung gross ist, lässt sich leicht voraussehen. Hunderte und vielleicht Tausende werden arbeitslos werden und dadurch in die Notlage kommen, zwischen dem Hunger und der Auswanderung zu wählen. ..." Es ist nicht ohne Interesse, aus dem „Roumanian Bulletin" zu ersehen, dass der Kischenewer Judenhetze eine antisemitische Presshetze in Rumänien vorausging. Anfangs März veröffentlichte die rumänische Zeitung „Vocea Tutovei" eine Serie von Artikeln, die sich mit dem Ritualmord beschäftigten und ihn als eine alte Einrichtung des Judaismus bezeichneten. In dem Schlussartikel befand sich nachstehende Bemerkung: „Die von den Juden neuerdings in Oesterreich, Böhmen, Ungarn, Deutschland und Russland begangenen Ritualmorde sind noch frisch in Jedermanns Gedächtnis. Wieviele Kinder sind aber in unserem eigenen Lande verschwunden? Wieviele verstümmelte Körper wurden gefunden, während die Verbrecher unentdeckt geblieben? Wer sind diese Verbrecher, diese blutdürstigen Mörder unserer lallenden Kleinen? Die 600.000 fanatischen Juden sind es, die unser Land verpesten. Diese Bestien sind die Schlächter unserer christlichen Kinder. Die Juden sind die Verbrecher, sie, die unser Land wie Heuschrecken überfielen. . . Die Zeit ist vorbei, wo man mit friedlichen gesetzlichen Einschränkungei] wirken konnte. Alle guten Rumänen sollten ihre schweren Stöcke schwingen und diese Parasiten ihres Landes vertilgen." Die Greuel in Bessarabien sind denn auch von der „Vocea Tutovei" mit Freuden begrüsst worden, und das Blatt hält die Zeit für bevorstehend, in der selbst die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika sich erheben werde, um auch die amerikanischen Juden zu zerschmettern. Das Blatt nennt die Vorgänge in Kischenew „ein vorzügliches Vorbild". Von Seiten der rumänischen Regierung ist nichts dagegen geschehen, dass die „Vocea Tutovei" die Artikel auch in Broschürenform veröffentlichte, obgleich diese Artikel die deutliche Aufforderung zum Landfriedensbruch, um einen milden Ausdruck zu gebrauchen, enthalten. Bukarest. (Der Antisemitismus in Rumänien.) Der „Adeverul" schreibt: „Aus dem Ministerium erhielten wir die Nachricht, dass im Lande antisemitische Agitationen gemacht werden und dass die Regierung energische Massregeln ergriffen habe; die Präfekten werden verständigt und persönlich für jede Ruhestörung verantwortlich gemacht. Bis hierher ist alles gut. Weiss aber der Herr Minister des Innern, wie die Präfekten und die Behörden im allgemeinen vorgehen? In vielen Distrikten ruft der Präfekt die jüdischen Notabein und sagt ihnen sehr beunruhigt, sie sollten am Abend das Haus nicht verlassen, nicht im öffentlichen Garten spazieren gehen, da von einem Augenblick zum andern ein Gemetzel ausbrechen könne. Wenn diese angenehmen Nachrichten Leuten mitgeteilt werden, welche schon durch die Vorgänge in Kischenew in Schrecken gesetzt sind, so beginnen sie auf allerhand Gedanken zu kommen und an eine unmittelbar bevorstehende Gefahr zu denken; die einen bewaffnen sich, andere ziehen weg und säen den Schrecken überall, wo sie im Lande hinkommen. So erklärt es sich, dass am Tage des 10. (23.) Mai die Juden in Jassy und Husch sich vorbereitet hatten, den Banden Widerstand zu leisten, und wie es heisst, sind in Jassy alle Waffengeschäfte von den Juden geleert worden, welche sich für jede Eventualität bewaffnet hatten."