Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 37 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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37 handelte, seien es immer nur die Juden gewesen, die die Kosten in jeder Hinsicht bestritten. Als die letzten Beste der liberalen Partei aufgerieben waren, traten die Sozialdemokraten in den Vordergrund. Auch diesen haben die Juden Floridsdorfs erfolgreiche Hilfe geleistet und seien bei den Wahlen für deren Kandidaten eingetreten. Die Wirkung dieser Gefolgschaft war die, dass die Juden das einzige Mandat im Gemeindeausschusse verloren haben und nun überall als rote Revolutionäre ausgeschrieen werden. Aus taktischen Gründen lassen sich die Sozialdemokraten wohl die Hilfe der Juden bei den Wahlen gefallen, vermeiden es aber sehr sorgfältig, unseren Glaubensgenossen in ihrem Kampfe gegen den Antisemitismus Beistand zu leisten. Da mussten die Juden lernen, nach rechts und links reinen Tisch zu machen. Die jüdischen Stimmen dürfen künftighin weder für das liberale, noch für das sozialdemokratische Lager eskamotiert werden. Es muss ziffermässig genau abgeschätzt werden, wie stark die jüdische Wählerschaft ist, und mit diesen jüdischen Stimmen muss in Zukunft gerechnet werden. Politische Fragen sind Machtfragen. Wenn man die Juden braucht, dann möge man an sie herantreten; wir aber müssen es vermeiden, uns anderen Parteien aufzudrängen. Braucht man uns nicht, hält man uns für entbehrlich, dann nützt es auch nichts, wenn wir ungerufen dieser oder jener Partei nachlaufen, die uns dann nach den Wahlen verleugnet. Das sei die Lehre, welche die Floridsdorfer Judenschaft aus den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit zu ziehen hat. Redner begrüsst die Gründung des neuen Vereines mit lebhafter Genugtuung und wünscht demselben fröhliches Gedeihen. (Lebhafter Beifall.) Caslau. Am 26. Mai d. J. kamen unter der Aufsicht eines Korporals 36 Mann des hier stationierten 12. Landwehr-Infanterieregiments zum hiesigen Tabakverleger W e i n e r, der jüdischer Konfession ist, um Tabak zu fassen. Bei der Ausfolgung nahm sich ein Mann heraus, über das Judenthum zu spötteln. Der Verleger ermahnte denselben, machte ihn auf das Dienstreglement aufmerksam und drohte ihm mit der Anzeige an den Regimentskommandanten. Da all dies fruchtlos blieb und der Soldat in jüdischem Jargon antwortete, was bei den Uebrigen nur Gelächter und Hohn verursachte, fragte der Verleger den Korporal nach dem Namen des Mannes. Statt dem Soldaten sein ungehöriges Benehmen zu verweisen, lehnte der Unteroffizier jede Intervention, sowie die Nennung des Namens ab. Am folgenden Tage erhob Herr W e i n e r direkt beim Obersten Herrn Müller v. Eck Beschwerde über das Gebahren der Mannschaft. Der Oberst sicherte Herrn Wein er vollste Genugthuung zu und noch am selben Tage stand Nachstehendes im Regimentsbefehl: „Es ist gestern gelegentlich der Tabakfassung vorgekommen, dass sich