Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11 Verwaltung zur Verfügung stellte, geht dem „Berliner Tageblatt" aus dem Kischenewer Lazareth eine Darstellung zu, der wir folgende erschütternde Einzelheiten entnehmen: „Da liegt eine junge, kaum 18jährige Frau, der die Unmenschen die rechte Brust abgeschnitten haben; ihr kleines einjähriges Kind ruht in ihren Armen; man hat es, wie sie selbst erzählt, vor ihren Augen mit glühenden Eisen geblendet. Sie habe sich auf die Unmenschen gestürzt, doch sofort sei sie von der entmenschten Eotte niedergeworfen und geschändet worden. Als ihr Mann, der gerade dazu kam, von seinem Revolver G-ebrauch machen wollte, habe man ihn gebunden und gezwungen, mit anzusehen, wie seiner Frau die Brust abgeschnitten wurde. Neben dieser Unglücklichen, aus deren tränenlosen Augen der entsetzliche Seelen schmerz dringt, sitzt aufrecht in ihrem Bette eine alte gramgebeugte Frau. Sie trägt eine Binde um den Kopf, der von einem Säbelhieb gespalten ist. Auf die Frage, warum sie nicht liege, antwortet sie, sie könne nicht liegen, der Rücken sei ihr mit Ruthen zerfleischt worden. Warum? Sie hatte, als die wilde Rotte eindrang, ihre Enkelkinder im Keller versteckt; die Kinder wurden, als man sie fand, vor ihren Augen abgeschlachtet, sie selbst ausgezogen und mit Geisseln gezüchtigt. Nebenan jammert ein sechsjähriges Mädchen, es windet sich in furchtbaren Zuckungen, will den Verband, den man ihm um den Kopf gelegt hat, abreissen, die Wärterinnen halten es an den Händen fest; da plötzlich streckt die Kleine sich lang hin, sie gibt keinen Laut mehr von sich — sie hat ausgelitten. Noch schrecklichere Szenen spielen sich in dem Männersaale ab. Da befindet sich ein Greis, der sich, schrecklich verstümmelt, den Tod herbeiwünscht, denn er hat sein Weib, seine Söhne und Töchter umkommen sehen und hofft nun, bald mit ihnen vereinigt zu sein. Da sieht man einen Mann, dem man die Füsse abgesägt, einen Jüngling, dem man die Brust gespalten, ein Kind, dem man sämtliche Zähne ausgerissen hat, kurz, es ist ein~unbeschreibliches Elend!" * * * Organisation einer jüdischen Volkswehr in Kiew, Die bedrohten russischen Juden haben — wenigstens in Kiew — zu dem einzig zuverlässlichen Schutzmittel gegriffen: zu einer Organisation des Selbstschutzes und der bewaffneten Gegenwehr. Natürlich sind es jüdische Arbeiter, die die Organisation in's Leben gerufen haben. Die letzte Nummer des in Stuttgart erscheinenden Organs der liberalen Opposition, der „Oswoboschdenje" („Befreiung"), macht darüber folgende Mitteilung: „Wenn Plehwe gehofft hat, das revolutionäre Feuer in Russland durch kaltblütige Massenopferung weiter Bevölkerungs-