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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-06-01 · 6 (6.1903) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
6 (6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 8 (sequence 12)
Language
German
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8 Schuwalow, seinerzeit Gouverneur von Odessa, zu jüdischen Arbeitern getan hat. Er rief die Führer der jüdischen Arbeiter im April vorigen Jahres zu sich und erklärte ihnen: „Wenn Ihr den ersten Mai feiert, lasse ich Exzesse gegen die Juden organisieren." Um die Arbeiterbewegung zu lähmen, wirft man dem Mob die Juden als Beute zum Zerfleischen vor. Wenn solche Grundsätze in der Regierung vorhanden sind, so hört die Haltung der Behörden in Kischenew auf, unbegreiflich zu sein. * * * Die in russischer Sprache erscheinende Zeitschrift des ausländischen Comites der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Litauen, Polen und Russland bringt noch folgende Einzelheiten: In der Nacht zum russischen Ostersonntag drangen Haufen von Christen aus der Kirche, machten sich an die Magazine und Läden heran und fingen an zu plündern. Das dauerte etwa zwei Stunden. Dann traf vom Bahnhof her eine grosse Schaar Christen, meistens Welikorossen (Grossrussen aus den zentralen Gouvernements), ein, teilte sich in Gruppen, begab sich auf die Strassen, welche von Juden besetzt sind, und fing an, Häuser zu plündern. Männer, Frauen und Kinder zu ermorden. Am nächsten Tage vermissten schon viele Familien ihre Angehörigen, der Vater, die Mutter, die Tochter, der Sohn fehlte. Die noch gestern reich und wohlhabend waren, waren an den Bettelstab gebracht. Noch des Morgens wurde am Denkmal Alexanders II. ein jüdisches Mädchen tot aufgefunden, mit allen Zeichen der Gewalttat, halb entblösst, mit Schaum vor dem Munde. Später wurde bekannt, dass die Uebeltäter vielen Frauen und Mädchen Gewalt angetan. Ein Blechschmied, der die Ehre seiner Schwester verteidigen wollte, wurde in Stücke zerrissen. Ein Mädchen wurde mit ausgeschnittenen Brüsten gefunden; ausser Leichen "wurden in den Strassen Köpfe, Arme, Beine gefunden, welche vom Rumpf abgeschnitten und auf die Strasse geschleudert worden waren. Einige Bilder: Eine Witwe mit ihrer Tochter flüchtete vor den Mördern in das zweite Stockwerk zum Nachbar, einem Christen. Sie wurden aber nicht eingelassen, und die Mörder erreichten und ermordeten sie. In einem Hause fanden die Mörder einen Greis, der eingehüllt in seinem Gebetmantel dastand und betete. Die Uebeltäter schlugen ihn mit einer Stange auf den Kopf und ermordeten ihn. Eine Familie verbarg sich in dem Abort. Die Mörder bemerkten es, rissen die Bretter des Bodens auf und die Unglücklichen fielen alle in die Grube und ertranken. Eine Frau verbarg sich mit ihrem Säuglinge in einem Dachzimmer. Das Kind wollte aber nicht schweigen, und da stopfte sie ihm ein Tuch in den Mund. Das Kind erstickte und die Mutter wurde wahnsinnig. Auf der Strasse geht ein Jude mit einem Kinde in den Armen. Die Mörder entrissen ihm das Kind, schleuderten es in die Luft und ermordeten den Mann. Eine junge Mutter mit ihrem Säugling flüchtete zu

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