Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 4 (4.1903)
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 34 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 In allen Gemeinden, welche Herr Sekretär Fleischer berührte, fand derselbe die liebenswürdigste und gastlichste Aufnahme, welche nicht so sehr seiner Person, als den bekannten Leistungen der „Union"' galt. i Ueberdies hat Herr Fleischer auf seiner Tour Gelegenheit gefunden, mit den Vertrauensmännern in Pilsen, Kakowi z, Saaz, Leitmeritz und Teplitz in Fragen der Organisation und des Rechtsschutzes eingehend Besprechungen zu pflegen. Die Wandervorträge werden Ende April ihre Fortsetzung finden. XVIII. ordentliche Generalversammlung. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der „O e s t e r r e i c h i s c h - I s r a e 1 i t is c h e n Union" findet Samstag den 25. d. M., 1ji8 Uhr abends, im Restaurant Khuner, I., Adlergasse 6, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilungen des Präsidiums. 2. Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. 3. Kassabericht und Bericht der Revisoren. 4. Neuwahl des Vereinsvorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. Unsere geehrten Mitglieder in der Provinz werden hiermit zur Teilnahme en der Generalversammlung eingeladen und es würde uns herzlich freuen, eine grössere Anzahl derselben bei dieser Gelegenheit begrüssen zu können. Es würde sich insbesondere empfehlen, dass Wünsche und Anregungen aus einzelnen Kultusgemeinden entweder im schriftlichen Wege oder durch Entsendung von Vertrauensmännern zu unserer Generalversammlung vorgebracht und zur Diskussion gestellt werden. Unseren Wiener Mitgliedern wird noch eine besondere Einladung zur Generalversammlung zugehen. Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Neue Ritualmordlügen. Es ist nicht zu verwundern, dass in der Zeit vor Ostern allenthalben die Bluthetze wieder auflebt. Dass sich an jeden Leichenfund sofort das Gerücht von einem Ritualmord knüpft, wenn auch die begleitenden Umstände auf die gewöhnlichen Motive der Rachsucht, der Raublust oder der Lüsternheit schliessen lassen, ist selbstverständlich. Allein vielfach fehlt es auch an tragikomischen Missverständniesen nicht, welche durch die überreizte Phantasie der urteilslosen Landbevölkerung hervorgerufen werden. Die zeitweilige Abgängigkeit eines Kindes oder auch einer erwachsenen Person bietet häufig Anlass zur Annahme eines Ritualmordes und zu Feindseligkeiten gegen die Juden, bis die betreffende Person sich wieder vorfindet und die erregte Menge sich beruhigt.