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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. [Seite]

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Monatschrift <1er Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. 4 Wien, Mitte April I903 18. Jahrgang ^»^VVi»^V%WM^^»^y^^^^^V»V^rVv»rV^^A^r^rW^^A^r^^r> Der Staatentod im Altertum und die jüdische Nation. Vortrag des Herrn Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin, gehalten in der „Oesterreichisch Israelitischen Union" am 17. Januar 1903. Meine verehrten Damen und Herren! Wovon ich heute sprechen will, ist das Schicksal des jüdischen Staates, nicht das Schicksal des jüdischen Volkes. Dies letztere bildet eine seltene Ausnahme, man kann sagen, einen Einzlfall in den Büchern der Geschichte, so seltsam, so voll von tiefen Wundern, dass wohl der fromme Jude nach wie vor an dem messianischen Gedanken festhalten mag, dass der Gott des Himmels und der Erde dies kleine Volk ausersehen habe, das Eeich der Freiheit und Gerechtigkeit auf Erden zu verwirklichen. In den zwei Jahrtausenden des Exils hat sich dieses seltsame Volk seine Sprache und seine Religion, seine Traditionen zu wahren gewusst, im „Elend", das heisst im Auslände, in Verachtung, Verfolgung und Knechtschaft; und wohl mag der fromme Jude fragen, was wohl sein Gott anderes damit bezweckt haben kann, als das eine: es zum Werkzeuge seines Willens, zum härtesten Stahl zu schmieden. Darum ist es kein Wunder, dass in der jüdischen Volksseele die Hoffnung Jahrtausende überdauert, dass sich dieses wunderbare Volk erhalten hat zwischen den Mühlsteinen der fremden Völker, erhalten hat ausser durch das Herrenblut seiner Kasse, ausser durch den unzerstörbaren demokratischen Kern seines alten Volkstumes, vor allem durch seine Religion, durch die es sich von dem Völkerbrei der westeuropäischen Rassenmischung abschloss. Wenn aber wirklich, wie auch ich hoffe und glaube, jüdische Herzen und Gehirne in dem nahen, letzten Kampfe um das Reich Gottes auf Erden, das man mit dem einen, vielfach missbrauchten Worte „Sozialismus" nennt, die Führer des letzten, siegreichen Sturmhaufens sein werden, dann werden auch unsere bittersten Feinde erkennen, dass das Volk sich abschliessen m u s s t e, um allen Hass und alles Leid auf seine Schultern zu laden, dass es alle Ungerechtigkeit erdulden musste, um jene siegende Sehnsucht nach Gerechtigkeit zu gewinnen. Aber nicht davon will ich hier sprechen, nicht von dem jüdischen Volke, sondern von dem jüdischen Staate. So seltsam die Geschichte unseres Volkes ist, so typisch ist die Geschichte des Staates. Durch

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